Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Curriculum für die Ausbildung zum Facharzt für Strahlentherapie

Der Facharzt für Radioonkologie nimmt bei der multimodalen, interdisziplinären Behandlung onkologischer Patienten eine entscheidende Stellung ein. Weitere Einzelheiten sind dem Beitrag Berufsbild zu entnehmen.
Die Ausbildung zum Facharzt für Strahlentherapie orientiert sich an der Weiterbildungsordnung für das Land Sachsen, gemäß des Beschlusses des Vorstandes der Sächsischen Landesärztkammer vom 04. Januar 2006 nach den Richtlinien über den Inhalt der Weiterbildung zum Facharzt für Strahlentherapie. Hiernach sind die Inhalte der Weiterbildung gemäß den allgemeinen Bestimmungen der Weiterbildungsordnung definiert. Um den Erwerb der Fähigkeiten sicherzustellen wird den Ärzten in Weiterbildung ein Log-buch und eine Checkliste ausgehändigt (WBO-Liste der Sächsischen Ärztekammer).

In regelmäßigen Abständen erfolgen gemeinsame Gespräche über den aktuellen Ausbildungsstand. Über die Anforderungen der Ärztekammer hinaus werden weitere Möglichkeiten zur Weiterbildung besprochen und ausgeschöpft. Hierzu gehören regionale Weiterbildungsveranstaltungen und Kurse, auch auf internationaler Ebene (z. B. ESTRO-Teaching-Kurse) und Teilnahme an Kongressen, die zusätzliche Weiterbildungen anbieten.

Berufsbild nach Themenbereich
Curriculum
Literaturempfehlungen

Ziel der Ausbildung zum Facharzt ist der Nachweis der Kompetenz, die alltäglichen Anforderungen an den Facharzt gemäß Berufsbild kompetent und selbständig erfüllen zu können. Hierzu gehören folgende Themenbereiche:

  1. Physikalische und technische Grundlagen der Strahlentherapie
  2. Biologische Grundlagen der Strahlentherapie
  3. Strahlenschutz
  4. Klinische und methodische Grundlagen der Brachytherapie
  5. Bestrahlungsplanung
  6. Grundlagen der Radiochemotherapie maligner Erkrankungen
  7. Grundlagen in der Supportiv- und Palliativtherapie, auch unter Anwendung medikamentöser Behandlungen
  8. Tumorklassifikation und Dokumentation
  9. Tumoren des Zentralnervensystems
  10. Tumoren des Kopf- Hals-Bereichs
  11. Ophthalmologische Tumoren
  12. Tumoren der Lunge und des Mediastinums
  13. Tumoren des Gastrointestinaltraktes
  14. Tumoren der Mamma
  15. Tumoren der Haut
  16. Gynäkologische Tumoren
  17. Tumoren des Bewegungs- und Stützapparats
  18. Maligne Lymphome und Leukämien
  19. Maligne Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter

Insbesondere in der Bestrahlungsplanung wird ein besonderer Schwerpunkt auf den Erwerb von Fähigkeiten in der Diagnostischen Bildgebung, vor allem der Kernspintomographie, Computertomographie und funktionellen Bildgebung (PET und Spectroskopie) gelegt.

Im Einzelnen ist für die Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt für Radioonkologie folgendes Curriculum vorgesehen:

Das Curriculum orientiert sich an der deutschen und europäischen Weiterbildungsordnung zum Facharzt und an den Erfahrungen aus der eigenen Klinik. Hierzu gehört eine systematische Erfüllung eines Leistungskataloges (siehe unter Leistungskatalog der Sächsischen Landesärztekammer). Eine straffe und supervisierte Organisierung der Weiterbildung sorgt dafür, dass sich die Ärzte in Weiterbildung der Klinik kontinuierlich mit den Inhalten der klinischen Radioonkologie, der medizinischen Physik und der Strahlenbiologie befassen. Die Beziehung zwischen Arzt in Weiterbildung und den Oberärzten der Klinik wird als kooperierendes Miteinander gesehen, aus dem letztlich auch die Klinik als Ganzes einen Vorteil zieht.

1. Rotation

Grundsätzlich sind die Weiterbildungszeiten, die zu durchlaufenden Arbeitsplätze sowie die nachweislich eigenständig zu erbringenden Leistungen in der Weiterbildungsordnung aufgeführt, die von der Landesärztekammer Sachsen aufgestellt wurde (siehe Leistungskatalog, www.slaek.de). Ein wesentliches Organisationselement der Weiterbildung speziell zum Ausbau eigener klinischer Erfahrungen und zum systematischen Erwerb von klinischen Kenntnissen und Fertigkeiten ist die Rotation.

In der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie umfasst die Rotation im allgemeinen folgende Arbeitsstationen:

  • Bettenstation (40 Betten): 1 Jahr
  • Poliklinik / Ambulanz: 1 Jahr
  • Linearbeschleuniger: 1 Jahr
  • Bestrahlungsplanung und Simulation unter Einschluss der Weiterbildung in der stereotaktischen Strahlentherapie / Radiochirurgie für die Erkrankungen des ZNS: 1 Jahr
  • Brachytherapie: 1 Jahr

Im Rahmen dieser Grundstruktur der Rotation werden auch Kenntnisse in der radiologischen Diagnostik vermittelt, die vor allem für die Bestrahlungsplanung wichtig sind. Im Verlauf der Rotation müssen die im Weiterbildungskatalog geforderten Leistungen erbracht werden. Der zuständige Oberarzt soll nach Durchlaufen einer Arbeitsstation das erworbene Wissen der Assistenzärzte und auch den Umfang der geforderten Leistungen beurteilen. Die Informationen fließen in den entsprechenden Leistungskatalog ein.

2. Teilnahme an interdisziplinären Tumorboards

Die Radioonkologie als interdisziplinär ausgerichtetes Fach ist in der praktischen Umsetzung an Tumorboards gebunden. Nicht selten sind die modernen speziellen kurativen Therapiekonzepte in der Onkologie hochkomplex und bedürfen der interdisziplinären Kooperation und Abstimmung, vor allem mit Chirurgen und internistischen Onkologen.

Die Teilnahme an Tumorboards bzw. interdisziplinären Konferenzen sind daher wesentlicher Bestandteil der Ausbildung. Hierzu gehören folgende Tumorboards bzw. Konferenzen:

  • Tumorboard gastrointestinale Tumoren
  • Tumorboard Tumoren des Zentralnervensystems
  • Tumorboard Mammakarzinom
  • Tumorboard HNO/Kopf-Hals-Tumoren
  • Tumorboard Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
  • Tumorboard Weichteilsarkome
  • Tumorboard Tumoren der Schädelbasis
  • Tumorboard Hauttumoren

Im Einzelnen werden folgende Weiterbildungsinhalte detaillierter vermittelt. Für alle Entitäten:

  • anatomische Grundlagen
  • klinische Symptomatik
  • diagnostische Maßnahmen
  • Staging
  • Prognosefaktoren
  • Allgemeine Behandlungsprinzipien
  • Therapiebedingte Nebenwirkungen
  • Wichtige Studien
  • Behandlungsprotokolle

ZNS-Tumoren (3 Stunden)
Strahlentherapeutische Techniken, Stereotaxie; Zielvolumina; Neuroachsenbestrahlung; Chemotherapie;
Besonderheiten: primäre ZNS-Lymphome, Germinome, Akustikusneurinome, Hypophysenadenome, Spinale Tumoren.

Augentumoren (1 Stunde)
Augenlidtumoren; Metastasen; Retinoblastome; Orbitatumoren; Lymphome. Besondere Beachtung der Toleranzdosen umgebender Normalgewebe

HNO-Tumoren (3 Stunden)
Besondere Beachtung der Nebenwirkungen und deren Vermeidung bzw. Linderung; Stellenwert der Chemotherapie; Wahrscheinlichkeit des Befalls von LK; Möglichkeiten der Wiederbestrahlung; Brachytherapie; Indikationen zur postoperativen Bestrahlung; IMRT. Speicheldrüsenkarzinome: Stellenwert der Neutronentherapie.

Schilddrüsen-Ca (1 Stunde)
Indikationen und Techniken der perkutanen Strahlentherapie.

Bronchialkarzinome (2 Stunden)

  • NSCLC: primäre RT incl. Stereotaktische Strahlentherapie, kombinierte Radiochemotherapie, palliative Radiotherapie; postoperative Radiotherapie; Zielvolumenkonzepte; Dosis-Volumen-Beziehungen; Pneumonitisrisiko
  • SCLC: Sequenz Chemo- und Strahlentherapie; Indikation zur prophylaktischen Ganzhirnbestrahlung, Nebenwirkungen
  • Brachytherapie

Mediastinaltumoren (1 Stunde)
Thymome: Indikationen zur alleinigen und postoperativen Radiotherapie

Ösophagus (1 Stunde)
Neoadjuvante Konzepte; definitive Radiotherapie; Kombination mit Chemotherapie; Brachytherapie beim Ösophagus-Ca

Mamma-Ca (2 Stunden)
Indikationen zur postoperativen Strahlentherapie; Kombination mit Chemo- und Hormontherapie; Indikationen zur systemischen Therapie; Befallswahrscheinlichkeiten von Lymphknoten; Metastasierungsmuster, Prognosefaktoren; Zeitfaktor (Bedeutung des Intervalls OP - Radiotherapie); Zielvolumenkonzepte; Sentinel-LK, Mamma-Ca des Mannes
Alleinige Strahlentherapie

Magen-Ca. (1 Stunde)
Indikationen zur postop. Radiotherapie; Dosis, Zielvolumenkonzepte; neoadjuvante Konzepte; Nebenwirkungen

Pankreastumoren (1 Stunde)
Zielvolumen- und Dosiskonzepte; Radiochemotherapieprotokolle

Lebertumoren, Lebermetastasen (1 Stunde)
Indikationen zur Strahlentherapie; stereotaktische Techniken; Toleranzdosen der Normalgewebe

Rektum-Ca. (1 Stunde)
Neoadjuvante und adjuvante Konzepte; alleinige Strahlentherapie; Rezidivmuster

Anal-Ca. (1 Stunde)
Indikation zur alleinigen Radiotherapie und kombinierten Radiochemotherapie; Zielvolumenkonzepte; Techniken der Radiotherapie; akute und späte Nebenwirkungen

Blasenkarzinom (1 Stunde)
Vergleich OP versus alleinige Strahlentherapie; Indikationen zur postoperativen Radiotherapie; Indikationen für kombinierte Radiochemotherapie; Bestrahlungstechniken

Prostatakarzinom (2 Stunden)
Biologie des Prostata-Ca; Vergleich OP versus alleinige Strahlentherapie; Indikationen zur postoperativen Radiotherapie; Indikationen für kombinierte Hormon- und Radiotherapie (Dauer, Sequenz); Bestrahlungstechniken Rezidivmuster; Nebenwirkungen (Dosis, Volumeneffekte); neuere Radiotherapietechniken inkl. IMRT

Hodentumoren, Keimzelltumoren (1 Stunde)
Zielvolumenkonzepte, Dosierungskonzepte

Gynäkologische Tumoren (2 Stunden)
OP vs alleinige Radiotherapie bzw. Radiochemotherapie, neoadjuvante Konzepte (Zervix- und Vulva-Ca); Brachytherapie, insbesondere Dosierungskonzepte und Kombination von perkutaner Strahlentherapie und Brachytherapie; Prognosefaktoren; Ovarial-Ca: Stellenwert der Strahlentherapie, Zielvolumenkonzepte.

Lymphome (3 Stunden)
Laufende Studien; Indikationen zur alleinigen Radiotherapie; Indikationen zur Chemo- und Radiotherapie (Sequenz; Substanzen); Indikationen für alleinige Chemotherapie; Nebenwirkungen (Kinder!); Spätfolgen bei Radiotherapie von Kindern und Jugendlichen mit Lymphomen

Weichteilsarkome (1 Stunde)
Indikationen zur post- und präoperativen. Radiotherapie; Stellenwert der adjuvanten Chemotherapie; Stellenwert und Techniken der IORT; Stellenwert der Hyperthermie; Metastasierungswahrscheinlichkeiten

Radiotherapie von Metastasen (1 Stunde)
Dosiskonzepte

Supportive Therapie (1 Stunde)

Grundlagen der Radiochemotherapien (1 Stunde)
Physik (Prof. Wolf)

Dosisberechnung (1 Stunde)
Dosisberechnung auf der Strahlenfeldachse, Berechnung der Dosisverteilung mit Bestrahlungsplanungssystem

Strahlenarten und Wechselwirkungsprozesse (1 Stunde)
Materie, Struktur, Atome, Energie, Anregung, Ionisation, Radioaktivität, Eigenschaften ionisierender Strahlung, Photonenstrahlung. Korpuskularstrahlung

Dosisbegriffe und Dosismessung (1 Stunde)
Grundsätzliches zur Dosimetrie ionisierender Strahlung, Strahlungsnachweis- und Dosismessverfahren, Dosisbegriffe und Dosiseinheiten, Klinische Dosimetrie

Volumendefinitionen und klinische Dosisbegriffe (1 Stunde)
Klinische Volumina, Klinische Dosisbegriffe

Charakterisierung und Eigenschaften von Dosisverteilung (1 Stunde)
Erläuterung zum Begriff Dosisverteilung, Tiefendosis, Dosisquerprofil, Isodosen, Einfluss des Schrägeinfalls, Einfluss von Inhomogenitäten, Einfluss von Grenzschichten, Einfluss von Materialien im Strahlenfeld (Keilfilter, Blöcke, Kompensatoren, Moulage...), Größen zur Charakterisierung der Tiefendosis

Typische Bestrahlungstechniken (1 Stunde)
Stehfeldbestrahlung, Mehrfeldertechniken, Bewegungsbestrahlung. Kombinationen aus Stehfeld und Rotationsbestrahlung, koplanare und nonkoplanare Techniken

Dosisspezifikation (1 Stunde)
Dosisspezifikation bei der Bestrahlung mit hochenergetischen Photonen, Dosisspezifikation bei der Bestrahlung mit Elektronen, Dosisspezifikation in der Brachytherapie, Dosisspezifikation in der stereotaktischen Strahlentherapie, Zielvolumenkonzepte, Dosierungsrichtlinien der ICRU

Bildverarbeitung in der Strahlentherapie (1 Stunde)
Bildgewinnung und - Vorverarbeitung, Bildkorrelation, Segmentierung, Visualisierung

3D-Bestrahlungsplanung (1 Stunde)
Dosisberechnung, Darstellung und Evaluation, Konvergenz- und Konformationsbestrahlung, Möglichkeiten der individuellen Kollimation

Bestrahlungsplanungssysteme (1 Stunde)
Anforderung an die Hardware, Anforderung an die Software, Einsatz in der Klinik

Brachytherapieplanung (1 Sunde)
Applikations- und Therapiemethoden, Strahlentypen, Applikatoren, Dosisberechnung, Dosierung

Ganzkörper- und Ganzhautbestrahlung (2 Stunden)
Technik, Dosimetrie, Ganzkörperbestrahlungsplanung, Qualitätssicherung

Inverse Planung und Bestrahlungstechniken mit intensitätsmodulierten Feldern (1 Stunde)

Tipps und Tricks in der Sim (1 Stunde)
Neuroachse. Anal Ca + Elektronen. Reproduzierung eines Isozentrums, etc.

Literaturempfehlungen

Die Kenntnis der relevanten Leitlinien ist im Sinne der evidenzbasierten Medizin unverzichtbar. Die folgende Liste stellt eine unverbindliche Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit dar, Für die einzelnen Weiterbildungsbereiche sind sowohl Kompendien als auch ausführliche Fachbücher genannt.

Leitlinien und Manuale:

AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften): Unter www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/index.html finden sich die Leitlinien der Fachgesellschaften) sowie auch die des Informationszentrums für Standards in der Onkologie (ISTO) der Deutschen Krebsgesellschaft.

Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) e.V., Deutsche Gesellschaft für Medizinische Physik (DGMP) e.V., Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie (ARO) in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) e.V., Berufsverband Deutscher Strahlentherapeuten (BVDSt) e.V. finden sich auf den Seiten der DEGRO unter „Aktuelles": www.DEGRO.org

Manuale des Tumorzentrums München (Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge), abrufbar unter: www.krebsinfo.de

Bücher (in alphabetischer Reihenfolge):

Bamberg M, Molls M, Sack H (Eds.) Radio-Onkologie. Lehrbuch Band I und II, Zuckschwerdt Verlag München 2003, 2004

DeVita, V., S. Hellman, S.A. Rosenberg: Cancer - Principles & Practice of Oncology, 6th Edition, Lippincott Williams & Wilkins 2001

Hall E.J.: Radiobiology for the Radiologist 5th Edition, Lippincott Williams & Wilkins 2000

Herrmann Th., M. Baumann: Klinische Strahlenbiologie kurz und bündig, 3. Auflage, Urban & Fischer, 1997

Perez C.A., L.W. Brady, E.C. Halperin, R.K. Schmidt-Ullrich: Principles and Practice of Radiation Oncology, 4th Edition, Lippincott Williams & Wilkins 2004

Sack H., N. Thesen: Bestrahlungsplanung, 2. Auflage, Thieme 1998

Zeitschriften/Journals:

  • Cancer
  • Der Onkologe
  • European Journal of Cancer and Clinical Oncology
  • International Journal of Radiation Oncology, Biology, Physics
  • Journal of Clinical Oncology
  • Strahlentherapie und Onkologie
 
Letzte Änderung: 03.05.2011, 13:55 Uhr
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