Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Berufsbild Radioonkologie

Im Mittelpunkt der onkologischen Therapien steht fächerübergreifend die Radioonkologie, so dass diesem Fach in Zukunft eine herausragende Bedeutung zugeschrieben werden muss. Die Ausbildung zum Facharzt für Radioonkologie / Strahlentherapie ist sowohl für Berufseinsteiger nach dem Staatsexamen als auch aufgrund des Querschnittscharakter des Faches für Quereinsteiger aus anderen Fächern attraktiv.

Radioonkologie- ein zukunftsorientiertes Fach
Probleme in der studentischen Ausbildung
Der Kampf gegen den Krebs: - Eine gesundheitspolitiche Herausforderung
Stellung der Radioonkologie - ein interdisziplinäres Fach in der kurativen und palliativen Krebstherapie
Arzt für Radioonkologie ein attraktiver und anspruchsvoller Beruf
Hohe Ansprüche an Kommunikation und soziale Kompetenz
Vielschichtige Berufsinhalte
Besondere Fähigkeiten
Typische Aufgaben
Anspruchsvolle Ausbildung zum Facharzt - konsequentes Ausbildungsprogramm
Radioonkologie - ein Beruf mit Zukunft
Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten - Radioonkologie, ein Beruf mit hohem Karrierepotential

Radioonkologie - ein zukunftsorientiertes Fach

Krebs wird zur Volkskrankheit der Zukunft und stellt eine Herausforderung für alle mit der Bekämpfung dieser Krankheit beschäftigten Parteien dar. Die steigende Lebenserwartung und die demographische Entwicklung führen dazu, dass zukünftig deutlich mehr Menschen in fortgeschrittenem Lebensalter in Europa leben werden. So stirbt zur Zeit in Deutschland ungefähr jeder vierte Patient an einem bösartigen Tumor. Bei der kontinuierlich steigenden Lebenserwartung und sich somit deutlich ändernden Altersstruktur der Bevölkerung wird die Diagnose Krebs in den nächsten Jahren weiter stark und stetig zunehmen. In etwa zehn Jahren soll es rund 20 % mehr Fälle geben, weitere 30 Jahre später sollen es sogar 40 % sein. Heute bereits ist eine sehr erfolgreiche Behandlung von Tumorerkrankungen möglich, wodurch die Lebensqualität und oft auch die Prognose der Patienten deutlich verbessert werden kann. Patienten mit der Hauptdiagnose «Bösartige Erkrankung» haben traditionell eine große Bedeutung für das Patientenaufkommen von Krankenhäusern. Von 14,45 Millionen stationären Krankheitsfällen entfallen 1,6 Millionen (11%) auf Tumorerkrankungen. An Hochleistungskrankenhäusern wie den Universitätskliniken sowie Kliniken der Maximalversorgung ist der globale Anteil noch höher und beträgt bis zu 30%. Die Tendenzen sind jeweils steigend, weil sich durch den steigenden Anteil von älteren Menschen in der Gesamtgesellschaft der Anteil von Patienten mit dieser Hauptdiagnose relativ und absolut vergrößert.

Die Chancen, auch mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen bei guter Lebensqualität deutlich länger zu überleben als noch vor wenigen Jahren, sind spürbar gestiegen. Bei einigen Tumorerkrankungen haben sich die Heilungschancen deutlich verbessert. Nahezu jede Fachdisziplin ist an der Diagnose und Therapie maligner Erkrankungen in unterschiedlicher Ausprägung beteiligt.

Probleme in der studentischen Ausbildung

Im Rahmen der Novellierung der Approbationsordnung wird das Fach Radioonkologie im Querschnittsbereich Bildgebung abgebildet. Die Ausrichtung der Radioonkologie als klinisches Fach passt daher inhaltlich nur sehr schwer in diesen Querschnittsbereich, so dass das Interesse unter den Studenten kaum geweckt werden kann. Die praktisch ausgerichteten Kurse des Querschnittbereiches Bildgebung werden zudem unmittelbar nach der vorklinischen Ausbildung angeboten, zu einem Zeitpunkt, zu dem noch keine klinische Grundausbildung erfolgt ist. Die Grundlagen zum Verständnis des Faches fehlen daher noch.

Zum Ausgleich bieten wir daher vor allem einen Unterricht am Krankenbett an ebenso Famulaturen, die mit einem Ausbildungsprogramm unterlegt werden. Ferner wird dem Medizinstudenten auf dieser Web site ein Überblick des Faches Radioonkologie geboten und das Berufsbild skizziert.

Gerne bieten wir weitere Informationen über das Fach und die Ausbildung nach telefonischer Terminabsprache an:

Sekretariat der Klinik für Radioonkologie
Telefon 0341 / 97-18400
E-Mail rolf-dieter.kortmann@medizin.uni-leipzig.de

Der Kampf gegen den Krebs: - Eine gesundheitspolitiche Herausforderung

Die Eröffnung der Diagnose Krebs schockiert die Betroffenen und wird meist mit Hoffnungslosigkeit und Unheilbarkeit assoziiert.

Heute erreicht die moderne onkologische Medizin jedoch in einem hohen Maße Heilungen. Fortschritte in der kurativen Krebstherapie wurden in den letzten Jahren vorwiegend durch die chirurgischen Fächer und die Strahlentherapie, vor allem in deren Kombination erreicht. Tumorerkrankungen können sich in unterschiedlichster Form und in unterschiedlichsten Regionen ausdrücken. So verteilt sich die Therapie von Tumorerkrankungen auf zahlreiche Fächer. Das unabhängige Fach Radioonkologie bildet als interdisziplinär ausgerichteter Beruf ein Bindeglied zwischen den einzelnen onkologisch ausgerichteten Fächern.

Nach aktuellen Schätzungen gab es 2004 in Deutschland insgesamt 436.500 neue Krebserkrankungsfälle. Prostatakrebs ist mit über 58.000 jährlichen Neuerkrankungen bei Männern die häufigste Krebserkrankungen, gefolgt von Darm- und Lungenkrebs.

Bei Frauen ist Brustkrebs nach wie vor die häufigste Krebserkrankung mit geschätzten 57.000 jährlichen Neuerkrankungen, ebenfalls gefolgt von Darmkrebs.

Stellung der Radioonkologie - ein interdisziplinäres Fach in der kurativen und palliativen Krebstherapie

Bei nahezu allen malignen Erkrankungen mit soliden Tumoren steht die Radioonkologie (synonym Strahlentherapie) neben der Operation im Mittelpunkt, um eine Heilung zu erreichen.


Palliative Therapie EU Plus Symbol Palliative Therapie EU Heilungsraten-EU Plus Symbol Heilungsraten EU

Ca. 50% aller Tumorpatienten benötigen im Verlaufe ihrer Erkrankung eine Radiotherapie. Bei unheilbarer Krebserkrankung ist die Radiotherapie dazu in der Lage, belastende Symptome zu lindern. Darüber hinaus erreicht die Strahlenbehandlung in einem hohen Maße eine Erleichterung belastender Symptome, vor allem Schmerzen. Hierdurch wird maßgeblich die Lebensqualität in der terminalen Phase von Tumorerkrankungen verbessert, ohne dass die Therapie mit relevanten Nebenwirkungen verbunden ist. Auch in der palliativen Tumortherapie kommt daher der Strahlentherapie eine herausragende Stellung zu.

Arzt für Radioonkologie ein attraktiver und anspruchsvoller Beruf

Die Radioonkologie nimmt folglich in der multimodalen und interdisziplinären Behandlung onkologischer Patienten eine entscheidende Stellung ein.

Radioonkologen (Synonym: Strahlentherapeuten) sind Ärzte, die in der Fähigkeit und Wissenschaft der medizinischen Verabreichung ionisierender Strahlung und Anwendung von Chemotherapeutika sowie anderer onkologischer Systemtherapien ausgebildet werden. Im Mittelpunkt des Berufs steht die primäre Versorgung der Patienten aus umfassender klinischer Sicht in Verbindung mit der Anwendung modernster Technologien. Das Fach Radioonkologie gehört zu den eher neueren Disziplinen, obwohl die Anwendung ionisierender Strahlung zur Tumorbekämpfung bereits auf das Jahr 1896 zurückgeht, indem erstmals erfolgreich ein Mammakarzinom behandelt wurde.

Dank der rasanten technischen Entwicklung in der Bildgebung und Datenverarbeitung eröffnet das Fach jungen Kollegen eine breite Palette kreativen Arbeitens. Einen kompetenten Facharzt zeichnet ein verantwortungsbewusster Einsatz ionisierender Strahlung aus, wodurch für den Patienten eine gezielte Therapie unter weitgehender Schonung von Organen und Geweben ermöglicht wird.

Dies wird einerseits durch immer bessere Planungsmodalitäten, andererseits auch mit gezielter Anwendung unterschiedlicher Strahlenqualitäten möglich. Externe Therapien werden mit Brachytherapie oder intraoperativen Therapien kombiniert, moderne Techniken wie die intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) und Stereotaxie kommen zunehmend zum Einsatz.

Der Einsatz von Radiochemotherapien, Radiosensitizern und unterschiedlichen Fraktionierungsschemata sowie der neuen Strahlenqualitäten wie Protonen und Schwerionen eröffnen neue Therapieansätze für den Facharzt für Radioonkologie. Durch die immer enger werdende Zusammenarbeit mit allen an der Behandlung von Tumorpatienten beteiligten Fachrichtungen ist der Facharzt für Radioonkologie entscheidend in eine für den Patienten individualisierte Behandlung eingebunden.

Hohe Ansprüche an Kommunikation und soziale Kompetenz

Strahlentherapeuten müssen nicht nur über ein ausgezeichnetes Wissen bei der Anwendung neuester Technologien verfügen, sondern vor allem sehr gute Fähigkeiten in der persönlichen Kommunikation aufweisen. Die direkte Interaktion zwischen Arzt und Patient steht daher im Mittelpunkt und wird häufig mit einem Team anderer Spezialisten, wie Schwestern und Psychoonkologen verbunden.

Die Radioonkologie ist zwar ein technisch ausgerichteter Beruf, der jedoch mit einem hohen Anspruch an klinischem Verständnis und menschlichem Umgang verbunden ist.

Vielschichtige Berufsinhalte

Zu den typischen Erkrankungen, die mit Strahlentherapie behandelt werden, gehören:

  • Brustkrebs,
  • Lungenkrebs,
  • Prostatakrebs,
  • Hauttumoren,
  • Hirntumoren,
  • Darmtumoren,
  • lymphatische Erkrankungen und andere.

Die Strahlentherapie wendet unterschiedliche Technologien an. In der Mehrheit wird eine Strahlentherapie von außen angewandt (externe Radiotherapie). Hierbei wird üblicherweise hochenergetische Röntgenstrahlung, die in den Linearbeschleunigern erzeugt wird, zum Einsatz gebracht. Aber auch andere Strahlung, wie Partikel, vor allem Protonen und Elektronen können zur Anwendung gelangen.

Die Strahlung kann auch mithilfe von radioaktiven Nukliden, in der Regel Eretium 192, lokal angewendet werden (sogenannte Afterloadingtherapie, synonym : Brachytherapie). Der Radioonkologe wählt für jede Tumorerkrankung, aber auch für jeden individuellen Patienten die geeignete Behandlungsmethode aus. Darüber hinaus setzt der Radioonkologe auch Systemtherapien (Chemotherapien, neue Substanzen, radiosensibilisierende Substanzen) ein, um die Wirkung der Strahlentherapie zu verstärken.

Diese Radiochemotherapien haben sich inzwischen weltweit in der kurativen Krebstherapie etabliert, so dass zur technischen Ausbildung auch eine fundierte, eher internistisch-onkologische Ausbildung gehört. Hierunter fällt auch die Anwendung von Chemotherapeutika und die Supportivtherapie, um Behandlungen verträglich zu gestalten bzw. bei fortgeschrittener Erkrankung Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr sowie die notwendige Medikamentengabe sicherzustellen.

Die neuen Bestrahlungsplanungssysteme und moderne Bestrahlungsgeräte erreichen eine sehr hohe Präzision in der Dosisapplikation, die in der stereotaktischen Bestrahlung teilweise unter einem Millimeter liegt. Bei der Therapieplanung werden daher zur optimalen Erkennung des Zielgebiets und der benachbarten Risikoorgane moderne bildgebende Verfahren integriert, um eine zuverlässige Radiotherapie sicherzustellen. Demzufolge gehört zur Ausbildung auch fundierte Kenntnisse mit den bildgebenden Verfahren wie Kernspintomographie, CT und funktionelle Bildgebung wie PET und Spektroskopie.

Besondere Fähigkeiten

Der Beruf des Radioonkologen vereinigt Kenntnisse in der Bildgebung und den Bestrahlungstechniken, die Anwendung von Systemtherapien (Chemotherapien u. a.) unter Einschluss von Supportivtherapien und die Fähigkeiten in der Gesprächsführung.

Patienten mit Krebserkrankungen bei ihrem Kampf gegen den Tumor zu helfen, verlangt ein Höchstmaß an persönlichem Engagement und individuellem Einfühlungsvermögen in die vorliegende Erkrankungsproblematik und deren belastenden Symptomen. Aufgrund der ausgeprägten Interdisziplinarität des Faches und die Verbindung mit nahezu allen medizinischen Fächern gestaltet den Beruf gleichermaßen interessant wie anspruchsvoll.

Typische Aufgaben

  • Konsultationen mit anderen medizinischen Berufen, u. a. auch Hausärzten. Bewertung und Integrierung bildgebender Verfahren in Therapieplanung und Nachsorge.
  • Dialog mit den Patienten und den Angehörigen über die Natur der Erkrankung, der Therapiemöglichkeiten und der weiteren Vorgehensweisen.
  • Anwendung etwaiger zusätzlicher medikamentöser Tumortherapien.
  • Auswahl und Anwendung von Chemotherapien in Zusammenhang mit der Radiotherapie (Radiochemotherapien).
  • Erkennung und Behandlung von Nebenwirkungen unter der Strahlentherapie und auch die Erkennung und Therapie etwaiger Spätfolgen.
  • Therapieplanung und Durchführung der Radiotherapie.

Anspruchsvolle Ausbildung zum Facharzt - konsequentes Ausbildungsprogramm

Die Ausbildung erfolgt nach standardisierten Ausbildungsrichtlinien, die in der hiesigen Klinik und Poliklinik praktisch umgesetzt werden. Die Klinik verfügt über die Ermächtigung zur gesamten Weiterbildung. Im Curriculum und der Weiterbildungsordnung sind die näheren Details beschrieben.

Radioonkologie - ein Beruf mit Zukunft

Die Möglichkeiten zur Einstellung bundesweit, teilweise auch weltweit für Radioonkologen sind optimal. Die Radioonkologie ist stark von akademischen Ansprüchen geprägt. Wie kein anderes Fach, werden im Fach Radioonkologie klinische Studien, teilweise in Kooperation mit anderen medizinischen Fachrichtungen durchgeführt. Hinzukommend rasante technische Neuentwicklungen, unter Einschluss der Integrierung moderner, funktioneller bildgebender Verfahren sowie der Einsatz von zusätzlichen Systemtherapien, auch neuer Substanzen, so dass das Fach mit einem enormen Entwicklungspotential ausgestattet ist.

Die Möglichkeiten zur Einstellung bundesweit, teilweise auch weltweit für Radioonkologen sind optimal. Die Radioonkologie ist stark von akademischen Ansprüchen geprägt. Wie kein anderes Fach, werden im Fach Radioonkologie klinische Studien, teilweise in Kooperation mit anderen medizinischen Fachrichtungen durchgeführt. Hinzukommend rasante technische Neuentwicklungen, unter Einschluss der Integrierung moderner, funktioneller bildgebender Verfahren sowie der Einsatz von zusätzlichen Systemtherapien, auch neuer Substanzen, so dass das Fach mit einem enormen Entwicklungspotential ausgestattet ist.

Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten - Radioonkologie, ein Beruf mit hohem Karrierepotential

Aktuell werden in nahezu allen radioonkologischen Einrichtungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht, sowohl in universitären als auch nichtuniversitären Einrichtungen. Die Berufseinkünfte richten sich zwar nach den gesetzlichen Tarifbestimmungen. In den meisten Fällen bestehen jedoch zusätzliche Einkommensmöglichkeiten, die nicht selten über den übrigen medizinischen Berufen liegen. Die beruflichen Karrieremöglichkeiten auf dem wissenschaftlichen Sektor müssen aktuell als ausgezeichnet eingestuft werden.

Da die Radioonkologie einerseits interdisziplinär ausgerichtet, und andererseits sehr stark akademisch geprägt ist, bestehen in vielen, vor allem universitären Einrichtungen, internationale Kontakte, um die berufliche Ausbildung entweder zu vertiefen oder in bestimmten Gebieten besondere Expertisen zu erreichen.

 
Letzte Änderung: 15.04.2015, 11:40 Uhr | Redakteur: ww
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