Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Darmkrebs-Rektumkarzinom

In Deutschland ist Darmkrebs bei Frauen die zweithäufigste, bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen wird für Männer wie für Frauen auf ca 31.000 geschätzt. Das Tumorleiden ist darüber hinaus sowohl für Frauen als auch für Männer die zweithäufigste Krebstodesursache.

Wir bieten folgende Therapieformen:

Die Behandlungskonzepte werden in unserer Klinik ständig aktualisiert und dem neuesten wissenschaftlichen Kenntnisstand angepasst. Um eine optimale Verträglichkeit für den Patienten zu erreichen, bieten wir in der Mehrzahl die Intensitätsmodulierte Radiotherapie mit speziell ausgerichtetem Qualitätssicherungsprogramm an, um die Heilungschancen optimal auszuschöpfen und die Nebenwirkungen zu senken.  Die Theapien orientieren sich an den S3-Leiptlinien zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Rektumkarzinoms nach der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

Gern können Sie sich mit uns in Verbindung setzen.

Die Inzidenz des Rektumkarzinoms liegt in Deutschland bei etwa 30 Neuerkrankungen pro Jahr und 100.000 Einwohner. Das entspricht etwa 25.000 Neuerkrankungen jährlich. Ab dem 50. Lebensjahr nimmt die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich zu. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt in der 7. Lebensdekade. Während beim Kolon-karzinom Männer und Frauen etwa gleich häufig betroffen sind, erkranken am Rektumkarzinom häufiger die Männer.

Risikofaktoren
Symptome
Generelle Therapiestrategie
Enddarmkrebs (= Rektumkarzinom)
Prognose
Strahlenbehandlung beim Rektumkarzinom
Technische Durchführung
Planung und Ablauf der Bestrahlung
Qualiträtssicherung
Dosierung der Radiotherapie
Nebenwirkungen in der Bestrahlung
Was muss während der Bestrahlung beachtet werden?
Wann wird die Bestrahlung ambulant durchgeführt?
Operation

Risikofaktoren

Erstgradige Verwandte (Eltern, Geschwister) von Patienten mit Darmkrebs haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls am kolorektalen Karzinom zu erkranken. Ein sehr hohes Darmkrebsrisiko weisen Patienten mit der seltenen Erkrankung der familiären adenomatösen Polyposis auf. Ferner liegt bei dem erblichen, nicht-polypösen kolorektalen Krebssyndrom ein erhöhtes Risiko für eine Tumorentstehung vor..Der Verdacht auf diese Erkrankung muß geäußert werden, wenn mehrere erstgradige Verwandte in relativ jungen Jahren an Darmkrebs erkranken. Die Entstehung von Krebs im Enddarm kann auch durch hochkalorische, fettreiche, ballaststoffarme Ernährung begünstigt werden:

Symptome

Symptome für einen Enddarmkrebs sind Blutungen aus dem After, Blutbeimengungen beim Stuhlgang, Stuhlunregelmässigkeiten (Durchfall wechselnd mit Verstopfung), Schmerzen oder Gewichtsverlust oder der ungewollte Abgang von Schleim oder Stuhl. Wenn der Tumor im oberen Teil des Enddarmes liegt, kommt es abwechselnd zu Verstopfung (Obstipation) und Durchfällen (Diarrhö). Reiner Schleim- oder Blutabgang, sehr dünne, so genannte Bleistiftstühle, und unwillkürlicher Abgang von Blähungen sind bereits Spätsymptome und deuten auf ein fortgeschrittenes Stadium der Krankheit hin. Manchmal klagen die Betroffenen auch über Schmerzen im Bereich des Kreuzbeins. Ein Darmverschluss (Ileus) tritt erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium des Rektumkarzinoms auf.

Generelle Therapiestrategie

Bei Tumoren des oberen Dickdarmes (Sigma / Colon) steht die alleinige Operation im Mittelpunkt. Je nach Risikoprofil (Lokale Ausdehnung, Mitbefall von Lymphknoten erfolgt eine zusätzliche Chemotherapie. Die Bestrahlung gehört nur in ganz wenigen Ausnahmefällen zur primären Therapie.

Der bösartige Tumor im Enddarm (=Rektum) ist wegen seiner Lage tief unten im Becken und der Nähe zum Schliessmuskel gesondert zu betrachten.

Enddarmkrebs (= Rektumkarzinom)

Liegt der Tumor bis zu 16 cm oberhalb des Schließmuskels, spricht man von Enddarmkrebs oder Rektumkarzinom. Wenn sich der bösartige Tumor sehr nahe beim Schliessmuskel befindet oder er schon die Darmwand durchbrochen hat und ins umliegende Fettgewebe gewachsen ist, gehört neben der Operation die Bestrahlung zur Gesamtbehandlung, um eine Heilung zu erreichen. Heute haben sich kombinierte Konzepte, eine Bestrahlung in Verbindung mit einer Chemotherapie (sogenannte Radio-/Chemotherapie) fest etabliert.
Bis etwa 1990 waren die Ergebnisse in der chirurgischen Behandlung von Enddarmkrebs nicht befriedigend. In vielen Fällen erhielten die Patienten künstliche Darmausgänge. Dies ist heute nur noch bei 10 bis 15 Prozent der betroffenen Patienten erforderlich. Die Darmkontinuität lässt sich in mehr als 80 Prozent aller Fälle wieder herstellen. Ferner wird wesentlich radikaler und gleichzeitig schonender operiert. Durch die genaue Einhaltung vorgegebener anatomischer Schichten gelingt eine wesentlich bessere und radikalere Operation, bei der das Risiko von Nervenschädigungen (wichtig für die Blasen- und Sexualfunktionen) sehr häufig erhalten werden können. Lag die Lokalrezidivrate (erneutes Tumorwachstum am Ursprungsort) vor 1990 bei etwa 30 Prozent, ist sie heute durch die kombinierten Therapien auf deutlich unter 10 Prozent abgesunken.

Bei Enddarmkrebs müssen daher die drei Behandlungsstrategien Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie sinnvoll ineinander greifen. Hier erfolgt die Operation heute häufig erst nach einer vorgeschalteten so genannten neo-adjuvanten Chemo- und Strahlentherapie. Chemotherapie und Strahlentherapie werden bei Enddarmkrebs häufig gleichzeitig angewandt, weil die beiden Methoden sich in ihrer Wirkung ergänzen bzw. verstärken.
Das gilt insbesondere für die präoperative kombinierte Radiochemotherapie, eine so genannte neo-adjuvante Radiochemotherapie. In wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich Enddarmtumoren deutlich verkleinern lassen. Ferner wurden bei derartig behandelten Patienten wesentlich weniger Tumorzellen im Blut und im Knochenmark nachgewiesen. Die Operation wird dadurch zwar technisch anspruchsvoller, die Komplikationsraten steigen jedoch nicht an. Es gibt weitere Vorteile: So muss gegebenenfalls nicht nach der Operation bestrahlt werden. Dadurch wird das zur Rekonstruktion verwendete Darmsegment nicht in seiner Funktion geschädigt.
Die Strahlentherapie beim Rektumkarzinom orientiert sich an den Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft.
Die Klinik und Poliklinik für Radioonkologie ist dem von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten interdisziplinären Darmzentrum vertreten, dem das Helios Klinikum Schkeuditz und Borna angeschlossen ist. Einmal pro Woche findet ein gemeinsames Tumor - Board statt, in dem die Therapiekonzepte gemeinsam (interdisziplinär) vor dem Hintergrund der S 3 Leitlinien für jeden Patienten individuell angepasst entschieden werden.

Vor Beginn einer jeden Therapie steht eine Reihe von Untersuchungen, mit denen man das Tumorstadium schon frühzeitig möglichst genau erfassen möchte. Dazu gehörten:

  • körperliche Untersuchung
  • vollständige Darmspiegelung
  • Sonographie
  • Computertomographie des Bauches sowie des Brustkorbes
  • Magnetresonanztomographie (MRT) der Beckenregion sowie gegebenenfalls die Endosonographie

Prognose

Wichtige Parameter für die Prognose und für die Entscheidung über eventuelle therapeutische Maßnahmen sind:

  • das Vorhandensein oder Fehlen von Fernmetastasen
  • die Bestimmung der Tiefeninfiltration des Tumors in die Darmwand
  • die Zahl und Lokalisation befallener Lymphknoten.

Strahlenbehandlung beim Rektumkarzinom

Die Anwendung der Strahlentherapie orientiert sich zum einen am operativen Vorgehen und an der aktuell vorliegenden Tumorausdehnung. Hiernach und an den Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft, den S3-Leitlinien, orientiert sich der Einsatz der Strahlenbehandlung an den vorgegebenen Standards.

Prinzipiell lassen sich folgende Anwendungsgebiete unterscheiden:

1. Bestrahlung vor Operation in Kombination mit einer Chemotherapie

Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand wird beim fortgeschrittenen, nicht metastasierten Rektumkarzinom eine Strahlenbehandlung in Kombination mit einer Chemotherapie vor dem operativen Eingriff empfohlen. In einer großen deutschen Studie, in der die Strahlenbehandlung in Kombination mit einer Chemotherapie nach der Operation mit demselben Vorgehen vor Operation verglichen wurde, konnte gezeigt werden, dass in der Patientengruppe, die eine Behandlung vor der Operation erhielten, nach 4 Jahren noch 77% lebten im Vergleich zu 73% nach postoperativer Therapie.
Deutlich war der Unterschied in der Lebensqualität. Durch die Vorbestrahlung konnte die Zahl der Patienten, die schließmuskelerhaltend operiert werden konnten, verdoppelt werden. Diesen Patienten konnte ein Leben mit künstlichem Darmausgang erspart werden.
Durch die Vorbehandlung konnte das Rückfallrisiko im Bereich des ursprünglichen Tumorgebiets deutlich gesenkt werden. Nur 7% der Patienten erlitten einen Rückfall im Vergleich zu 11% nach postoperativer Bestrahlung. Noch größer war der Unterschied bei den größten und erfahrensten Zentren. Hier waren nach 4 Jahren 76% der vorbehandelten Patienten tumorfrei, während dies bei postoperativer Therapie nur bei 60% erreicht werden konnte. Auch die Nebenwirkungen waren bei der neoadjuvanten Behandlung geringer. Nur in 7% der vorbehandelten Patienten wurden längerfristige Probleme angegeben im Vergleich zu 15% der nachbestrahlten Patienten.

Nach Strahlentherapie und Chemotherapie traten keine vermehrten Komplikationen während und nach der Operation auf. Demzufolge hat sich heute das neoadjuvante Vorgehen mit Chemotherapie und Bestrahlung vor der Operation durchgesetzt.

Weitere Ausblicke

Abbildung des Studienschemas Plus Symbol Studienschema

In dem genannten Studienprotokoll konnte in vielen Fällen eine erhebliche Verkleinerung des Tumors bzw. etwaiger befallener Lymphknoten erreicht werden (sogenanntes Downstaging). Unter dem Mikroskop betrachtet konnte unterschiedlich ausgeprägt eine Tumorrückbildung gesehen werden (Regressionsgrad). Je ausgeprägter die Rückbildungstendenz war, umso besser scheint nicht nur eine Tumorkontrolle im Bereich der Beckenregion erreicht zu werden, sondern das Risiko für eine Fernmetastasierung scheint ebenso abgesenkt werden zu können. Die zukünftigen Strategien sind darauf ausgerichtet, die Tumorrückbildung zu verstärken. Hierzu werden zusätzliche, intensivere Chemotherapien eingesetzt. Um diese Fragestellung zu beantworten, führt die Arbeitsgemeinschaft Radioonkologie zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie und Chirurgische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft ein prospektives Behandlungsprotokoll durch, das ebenso nach dem Zufallsprinzip zwei unterschiedliche Therapiemodalitäten untersucht.

Die Klinik und Poliklinik für Radioonkologie nimmt in Zusammenarbeit mit umliegenden zuweisenden Kliniken und dem Darmzentrum an diesem Therapieprotokoll teil.

2. Bestrahlung nach Operation in Kombination mit einer Chemotherapie

Nach amerikanischen Erfahrungen der 80er Jahre konnte gezeigt werden, dass beim fortgeschrittenen, nicht metastasierten Rektumkarzinom nach alleiniger Operation in einem hohen Maße lokale Rückfälle eintreten die operativ schwer beherrschbar sind und häufig zu belastenden Symptomen führen, vor allem oft mit Schmerzen in der Beckenregion verbunden sind.
Eine Strahlenbehandlung nach dem operativen Eingriff war dazu in der Lage, dieses Risiko zu senken. Eine optimale Senkung wurde durch eine Kombination von Strahlentherapie mit Chemotherapie erreicht. Diese Vorgehensweise ist in den 90er Jahren zur Standardtherapie beim fortgeschrittenen, nicht metastasierten Rektumkarzinom geworden. Wenn zum Zeitpunkt der Diagnose ein Tumor im frühen Stadium erkannt wird, erfolgt üblicherweise eine sofortige Operation. Stellt sich jedoch nach Aufarbeitung des Operationsmaterials heraus, dass der Tumor in Wirklichkeit deutlich fortgeschrittener war, wird in dieser Situation das früher etablierte Behandlungskonzept, bestehend aus Bestrahlung in Verbindung mit Chemotherapie, gefolgt von 4 weiteren Chemotherapiezyklen, empfohlen.

3. Kurzzeitbestrahlung vor Operation ohne Chemotherapie

Die bisherige Standardstrahlenbehandlung besteht aus einer mehrwöchigen Therapie mit einer Dosierung von 5 x 1,8 Gy pro Woche bis 50,4 Gy. Es ergibt sich hieraus eine Gesamtbehandlungszeit von ca. 6 Wochen.
In anderen europäischen Ländern wurden andere präoperative strahlentherapeutische Vorgehensweisen untersucht, so wurde in einem holländischen Protokoll vor der Operation eine alleinige Strahlentherapie mit 5 Sitzungen zu je 5 Gy untersucht. Hierdurch konnte ebenso eine Senkung des lokalen Rückfallrisikos erreicht werden. Ein Einfluss auf die Fernmetastasierungsrate konnte jedoch nicht erkannt werden.
Derzeit offen ist die Frage, ob eine Kombination mit einer Chemotherapie Sinn macht. Ferner ist die Frage unbeantwortet, ob durch eine intensivere Behandlung ein sogenanntes Downstaging besser erreicht werden und ob hierdurch die Fernmetastasierungsrate abgesenkt werden kann. Demzufolge kann das Kurzzeitkonzept derzeit nicht als Standard empfohlen werden.

4. Bestrahlung bei Rückfall

Tritt trotz Strahlentherapie ein Rückfall in der Beckenregion auf, könnten erneute operative und strahlentherapeutische Maßnahmen ausgeschöpft werden, die im Einzelfalle mit dem Patienten und den zuweisenden Chirurgen bzw. innerhalb des Tumorboards des Darmzentrums besprochen werden kann. Trotz Vorbelastung kann eine erneute Strahlenbehandlung durchgeführt werden mit dem Ziel, den Tumor lokal zu kontrollieren. Die Möglichkeiten und Grenzen dieses Verfahrens werden mit dem Patienten und Angehörigen ausführlich besprochen.
Liegen Schmerzzustände vor und kann der Tumor nicht operiert werden, kann zur Schmerzbekämpfung eine lokale Strahlenbehandlung angewandt werden.
Tritt ein Rückfall ohne strahlentherapeutische Vorbelastung auf, können prinzipiell Konzepte verfolgt werden, wie bei einer Primärtherapie. Auch diese eher seltenen Zusammenhänge werden gemeinsam mit den zuweisenden Kollegen und den Betroffenen besprochen.

Technische Durchführung

Die Durchführung der Strahlentherapie erfolgt unter Einsatz der modernsten Technologien, die im Wesentlichen auf der computergestützten Bestrahlungsplanung beruhen. Hierbei wird ein dreidimensionaler Therapieplan entwickelt, um eine möglichst gleichmäßige Dosisverteilung im Zielgebiet, der Tumorregion und der benachbarten Lymphknotenstationen zu erreichen.

Planung und Ablauf der Bestrahlung

Es erfolgt eine individuelle Therapieplanung für jeden Patienten. Zur genauen Erfassung des Zielgebiets wird eine Computertomographie der Beckenregion angefertigt. Die Bilder werden bereits in Bestrahlungsposition angefertigt. Nach Möglichkeit soll eine Lagerung auf dem Bauch unter Verwendung eines sogenannten Lochbretts erfolgen.

Lochbrett-Firma Additec-Addi2 Plus Symbol Abb. Lagerungshilfe Bauchbrett (Modell Belly-Board Addi2) Hierbei fällt der Dünndarm, aus der Beckenregion also aus dem Bestrahlungsfeld nach oben (kopfwärts) heraus. Hierdurch wird die Verträglichkeit verbessert. Das Zielgebiet umfasst den tumortragenden Anteil des Enddarms (= Mesorektum) und die benachbarten Lymphknotenstationen. Mit Hilfe eines Dreidimensionallasersystems wird bereits zu diesem Zeitpunkt die genaue Position der Therapiefelder festgelegt. Mit dem gewonnenen Datensatz wird das genaue Zielgebiet von Ärzten bestimmt.  (Abbildungen 2 und folgende) Anschließend wird von medizinischen Physikern ein dreidimensionaler Bestrahlungsplan berechnet, der mit dem Therapiesimulator übertragen wird (Übertragung des CT-Plans, Computertomographie). Hierbei werden Markierungen angebracht, die eine exakte Einstellung der Therapiefelder erlauben. Diese Markierungen dürfen daher nicht entfernt werden.

Qualitätssicherung

Die Durchführung der Strahlentherapie unterliegt speziellen Qualitätssicherungsmaßnahmen um sicherzustellen, dass die beabsichtigte Therapie in der vorgesehenen Form umgesetzt wird. Hierzu gehören regelmäßige Kontrollen der Therapiefelder mit Röntgenbildern, die mit dem therapeutischen Strahl gewonnen werden. Gelegentlich wird zur Kontrolle die Simulation wiederholt.

Dosierung der Radiotherapie

Die Menge der Strahlendosis wird in der physikalischen Einheit Gray (= Gy) gemessen. Bei der Strahlenbehandlung der Beckenregion sind 50 Gy notwendig. Die Gesamtdosis kann unterschiedlich aufgeteilt werden. Entscheidend ist hierbei die Höhe der Einzeldosis. Die Aufteilung der Gesamtdosis in Einzeldosen (in der Regel 5 pro Woche) wird als Fraktionierung bezeichnet. Zur Senkung von Nebenwirkungen wird normalerweise eine niedrige Einzeldosis von 1,8 - 2,0 Gy und 5 Anwendungen pro Woche gewählt. Die Gesamtdauer der Behandlung beträgt unter diesen Umständen ca. 6 Wochen.
In Einzelfällen können auch die oben genannten Kurzzeitkonzepte eingesetzt werden, vor allem dann, wenn eine rasche Operation dringlich wird. Dementsprechend können entsprechend der dänischen, polnischen und schwedischen Erfahrungen in den oben genannten Zielgebiet 5 Fraktionen zu je 5 Gy appliziert werden.
Nach den bisherigen Erfahrungen scheint dieses Kurzzeitkonzept mit einer niedrigeren Gesamtdosis verträglich zu sein.

Nebenwirkungen in der Bestrahlung

In der Radioonkologie wird zwischen den Nebenwirkungen, die während der Bestrahlung auftreten (= akute Nebenwirkungen) und Nebenwirkungen unterschieden, die erst nach Abschluss der Therapie Monate bis Jahre auftreten können (= Spätfolgen). Die akuten Nebenwirkungen bilden sich nach Abschluss der Therapie vollständig zurück. Spätfolgen demgegenüber sind bleibend. Belastende Spätfolgen sind heute zu einer Seltenheit geworden.
Akute Nebenwirkungen sind häufig und treten bei Anwendung moderner Bestrahlungstechniken nur in einer sehr milden Form auf. Im Mittelpunkt stehen Nebenwirkungen am Darm und in der Blase, vor allem mit vermehrtem Stuhldrang, der auch gelegentlich mit Durchfällen verbunden sein kann. Gleichzeitig können Reizzustände in der Blase auftreten mit vermehrtem Harndrang und Brennen beim Wasserlassen. Im Bereich des Dammes kann es zu einer Hautrötung mit trockener Schuppung kommen, die im Einzelfall eine Salbenbehandlung notwendig machen kann.
Die Bestrahlung wird mit einer Chemotherapie kombiniert, die an sich Nebenwirkungen an den Schleimhäuten und damit auch an den Darmschleimhäuten verursacht. Hierdurch kann die Neigung zu Durchfall in Einzelfällen deutlich gesteigert werden. Im Einzelfalle können zusätzliche medikamentöse Behandlungen notwendig werden, um die Nebenwirkungen zu bessern. Spätfolgen mit Verengung und Verklebung von Darmschlingen oder Fistelbildungen sind sehr selten. Über die Risiken und Nebenwirkungen der Bestrahlung und welche Dinge während und nach der Bestrahlung beachtet werden müssen, wird die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt ausführlich mit Ihnen besprechen.

Was muss während der Bestrahlung beachtet werden?

Grundsätzlich muss die gewohnte Lebensführung nicht geändert werden. Auf die Haut im Bereich der Beckenregion dürfen keine Reizstoffe aufgetragen werden. Warmes Wasser und Duschen ist erlaubt, jedoch sollte keine Seife verwendet werden, da die Haut vorübergehend ihre Fähigkeit zur eigenen Schutzstoffbildung verliert. Da die Nebenwirkungen unter der Therapie sich vorwiegend auf Darm und Blase konzentrieren, sollte die Ernährung angepasst werden. Schwere Speisen, wie Sauerkraut und Hülsenfrüchte sowie zu scharfe Würzungen sollten vermieden werden. Milchprodukte können verzehrt werden, jedoch nicht zu einseitig und in nicht zu großen Mengen, da die Säurebakterien einen Durchfall provozieren können.Tendenziell sollte auch rohes blähendes Obst, wie z. B. Kirschen und Erdbeeren sowie frische Salate gemieden werden. Ebenso auch fette und scharf gebratene Speisen.
Tendenziell günstig wirken sich Kartoffeln, Reis und gekochtes Gemüse aus. Tritt einmal ein Durchfall auf, sollte darauf geachtet werden, dass die Flüssigkeitszufuhr ausreicht. Häufig können Banane oder schwarze Schokolade hilfreich sein.

Drückende, beengende sowie aus Synthetikmaterial bestehende Kleidungsstücke sollten vermieden werden. Sollte ein künstlicher Darmausgang vorliegen, sollten Sie sich ausführlich über die entsprechende Pflege beraten lassen. Zur Senkung eines Risikos für eine Blasenentzündung sollte ein ausreichender Flüssigkeitsdurchstrom durch die Blase gewährleistet werden. Es sollte daher ausreichend Flüssigkeit getrunken werden.

Wann wird die Bestrahlung ambulant durchgeführt?

Die Bestrahlung ist technisch nicht aufwendig. Die Bestrahlungszeit ist kurz. Der Aufenthalt im Bestrahlungsraum beträgt nur ca. 10 min. In der Regel erfolgt eine ambulante Therapie. Für die zusätzliche Chemotherapie wird ein vorübergehender stationärer Aufenthalt notwendig.

Begleitende Chemotherapie

In der 1. und 5. Bestrahlungswoche erfolgt an 5 Tagen eine begleitende Chemotherapie mit einem speziellen Chemotherapeutikum (5FU). Dieses Chemotherapeutikum muss zur optimalen Wirksamkeit einen dauerhaften Medikamentenspiegel im Blut erzeugen. Hierzu ist eine Dauerinfusion notwendig. Die Einzelheiten zur Durchführung wird die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt ausführlich mit Ihnen besprechen.
Die Chemotherapie kann die Mund- und Darmschleimhäute reizen und zu entsprechenden Beeinträchtigungen der Nahrungsaufnahme und auch zu einer erhöhten Durchfallneigung führen. Generell sollte daher die Ernährung nach dem oben genannten Vorgehen angepasst werden. Die Einzelheiten wird die behandelnde Ärztin und der behandelnde Arzt mit Ihnen besprechen.

Operation

Hat der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose eine Verengung des Enddarmes erzeugt, kann in einzelnen Fällen vor der Radio-/Chemotherapie ein künstlicher Darmausgang angelegt werden, um einem drohenden akuten Darmverschluß während der folgenden Bestrahlung vorzubeugen.
Die chirurgische Entfernung des tumortragenden Enddarmes erfolgt in der Regel 4 bis 6 Wochen nach der Vorbehandlung, bei alleiniger Kurzzeitbestrahlung auch früher. In der Regel wird die Entfernung des Tumors (Mesorektums) über einen Schnitt im Bereich der vorderen Bauchwand durchgeführt Wenn der Schliessmuskel nicht von Tumorgewerbe durchsetzt ist, kann der Enddarm zusammen mit dem anliegenden Fettgewebe unmittelbar oberhalb davon abgesetzt werden (tiefe vordere Resektion mit totaler mesorektaler Exzision) und über einen kleinen Schnitt (7 bis 10cm) im Unterbauch entfernt werden. Eine neue Verbindung (Anastomose) von Dickdarm und After wird anschliessend geschaffen, wobei diese neue Verbindung in der Regel mit einem vorgeschalteten künstlichen Darmausgang (Ileostoma) geschützt werden muss. Die exakten Vorgehensweisen wird der Chirurg mit Ihnen besprechen

Bildmaterial

BB-Abb1 Plus Symbol Abb.1   Transversalschnitt CT-Planung oberhalb des Bestrahlungsfeldes.
Der Dünndarm kommt oberhalb des Bestrahlungsgebietes zur Lagerung.
   
BB-Abb2 Plus Symbol Abb.2  Sagittalschnitt durch die Beckenregion
Die Wirkung des Lochbrettes ist deutlich sichtbar. Der Dünndarm wird nach kranial aus dem Bestrahlungsfeld herausgelagert. Der Rektumtumor kommt deutlich zur Darstellung.
   
BB-Abb3 Plus Symbol Abb.3 Transversalschnitt entlang der Zentralstrahlebene
Patient in Bauchlage. Durch das Lochbrett wird der Dünndarm aus dem Bestrahlungsfeld herausgehalten. Das Rektumkarzinom ist innerhalb des luftgefüllten Rektums klar darstellbar. Auf dem Transversalschnitt ist das CTV markiert sowie das CTV nach den Vorgaben der RTOG und das PTV nach Vorgaben der CAO AIO-Studie neoadjuvante Behandlung beim Rektumkarzinom.
   
BB-Abb4 Plus Symbol Abb.4 3D-Darstellung des Zielgebietes. Die Darstellung wurde aus einem sequenziellen Computertomogramm generiert. Anschließend erfolgte eine Konturierung der Oberfläche sowie der Risikoorgane und der Zielvolumina.
ROT: Planungszielvolumen,  GRÜN: Hüftköpfe, ROSA: Rückenmark
   
BB-Abb5 Plus Symbol Abb.5  3D-Datensatz des Zielgebietes in seitlicher Projektion. Die Wirkung des Lochbrettes ist deutlich erkennbar.
   
BB-Abb6-ZOOM Plus Symbol Abb.6  CT-Plan. Transversalschnitte in Höhe der Hüfte. Darstellung der Therapiefelder ohne Isodosenverteilung (4-Felder-Boxtechnik).
   
BB-ABB7-ZOOM Plus Symbol Abb.7 CT-Plan. Transversalschnitte in Höhe der Hüfte. Darstellung der Therapiefelder ohne Isodosenverteilung (4-Felder-Boxtechnik). Isodosenverteilung.
   
BB-ABB8-ZOOM Plus Symbol Abb.8  Sagittalschnitt der Isodosenverteilung. Gemäß CAO AIO-Protokoll muss das Os sacrum in das Bestrahlungsfeld integriert werden. Gemäß RTOG-Zielvolumenbestimmung werden lediglich die ventral gelegenen Foramina in das Bestrahlungsfeld integriert.
   
BB-ABB9-ZOOM Plus Symbol Abb.9  Coronare Darstellung der Feldanordnung.
   
BB-ABB10-ZOOM Plus Symbol Abb.10  Digital rekonstruiertes Radiogramm mit Darstellung der Zielvolumina sowie der Risikoorgane (AP-Projektion).
   
BB-ABB10-ZOOM Plus Symbol Abb.11  DRR mit Darstellung der Feldgrenzen

Die Feldformung erfolgt über MLC. AP-Projektion. Darstellung im Knochenfenster.

   
BB-Abb12 Plus Symbol Abb.12  DRR des Bestrahlungsplanes Laterale Projektion (90°-Feld). Feldformung durch MLC. Darstellung im Knochenfenster.
   
BB-Lochbrett-UNI-LPZ Plus Symbol Abb. 13  Lochbrett  für die Patientenlagerung in Bauchlage (Belly-Board, Modell Uni-LPZ)

Sprechzimmer 2 (OA Dr. med. A. Liebmann):
Sprechzeiten: nach telefonischer Vereinbarung Mittwoch und Freitag ab 8.00 Uhr
(Frau I. Höber, Telefon: 0341 / 97-18471)

 
Letzte Änderung: 14.04.2015, 10:24 Uhr
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