Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Harnblasenkarzinom

Das Harnblasenkarzinom gehört zu den zweithäufisten Tumoren des Urogenitalsystems und führt als zweithäufigste Ursache zum Versterben an bösartigen Erkrankungen aus dem genitourethralem System.

Wir bieten folgende Therapieformen:

Ziel unserer Behandlung ist der Blasenerhalt durch Anwendung moderner Radiochemotherapien und Anwendung der intensitätsmodulierten Radiotherapie, die wir als Alleinstellungsmerkmal in der Region Leipzig anbieten.

Gern können Sie sich mit uns in Verbindung setzen.

Es wird geschätzt, dass weltweit jährlich ca. 300.000 Patienten an einem Harnblasenkarzinom erkranken. Dieser Wert entspricht ca. 4% aller Krebsfälle. Der Tumor tritt vorwiegend bei Männern auf mit einer Häufigkeit von 9,9 Fällen auf 100.000 Einwohner pro Jahr. Bei Frauen treten ca. 2,3 Fälle pro 100.0000 Einwohner pro Jahr auf. Die Häufigkeit dieser Tumoren variiert weltweit stark.

Ursachen
Symptome
Generelle Therapiestrategien
Strahlentherapie
Wann sollte eine Radiochemotherapie der Harnblase durchgeführt werden?
Welches Behandlungskonzept wird in der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie am Universitätsklinikum angeboten?
Welches Behandlungsergebnis ist zu erwarten?
Ablauf der Therapie
Ablauf der Strahlenbehandlung
Qualitätssicherung
Dosierung der Radiotherapie
Nebenwirkungen in der Bestrahlung
Was muss ich während der Bestrahlung beachten, wie kann ich die Verträglichkeit verbessern?

Ursachen

Ca. 50% der Fälle von Harnblasenkarzinom werden dem Konsum von Tabakrauch zugeschrieben. Darüber hinaus kann der Umgang mit Chemikalien zu einem erhöhten Risiko führen. Harnblasentumoren werden gehäuft bei Arbeitern der chemischen Industrie gesehen.

Symptome

Ein typisches Frühzeichen der Erkrankung sind Blutbeimengungen im Urin. Diese sind jedoch sehr unspezifisch, da sie auch bei einfachen Entzündungen der Blase auftreten können. Generell müssen sie jedoch als Warnsignal aufgefasst werden. Aufgrund dieser Eigenschaften werden die Tumoren häufig in einem sehr frühen Stadium entdeckt. Ca. 85% der Tumoren werden daher als oberflächliche, niedriggradige Tumoren festgestellt, die einem lokalen chirurgischen Eingriff und Blasenerhalt zugänglich sind.

Generelle Therapiestrategien

Liegt nur ein oberflächliches Tumorwachstum vor, kann der Arzt den Tumor mit einem Endoskop gut abtragen. Heute wird häufig eine Anfärbung des Tumors über eine intravesikuläre Gabe eines Markierungsmittels (5-Aminolävulinsäure) erreicht. Die Tumoren fluoriszieren unter einem bestimmten Licht und können so besser und offenbar auch vollständiger entfernt werden. Haben diese Tumoren die Muskulatur der Blase infiltriert oder aber wenn sie ein aggressives Gewebewachstum zeigen, reicht diese Behandlungsmaßnahme nicht aus, da häufig binnen kurzer Zeit ein erneutes Tumorwachstum entsteht.

Strahlentherapie

Bei ausgedehnterem oder aggresivem Tumorwachstum wird häufig eine vollständige Entfernung der Blase durchgeführt. Die heutigen, ausgezeichneten operativen Techniken sind dazu in der Lage, eine Ersatzblase aus Darm zu formen, so dass der Patient wie gewohnt durch die eigene Harnröhre Wasserlassen kann. Gelegentlich ist jedoch auch ein künstlicher Urinausgang notwendig. Häufig müssen operativ bei Männern Teile der Prostata bzw. des Gefäßnervenbündels entfernt werden, so dass ein Verlust der Sexualfunktion in Kauf genommen werden muss.
Häufig kann jedoch auch eine künstliche Blase nicht die gewohnte Funktion übernehmen.
Vor diesem Hintergrund haben sich in den letzten Jahren Strahlentherapiekonzepte durchgesetzt, die in Kombination mit einer Chemotherapie darauf ausgerichtet waren, die eigene Blase funktionstüchtig, ohne wägbare Beeinträchtigungen der Lebensqualität zu erhalten.

Begriffsbestimmung Stadieneinteilung

Ta nichtinvasives, papilläres Karzinom
Tis Carcinoma in situ
T1 Tumor infiltriert subepitheliales Bindegewebe
T2
T2a
T2b
Tumor infiltriert Muskulatur
Tumor infiltriert oberflächliche Muskulatur (innere Hälfte)
Tumor infiltriert tiefe Muskulatur (äußere Hälfte)
T3
T3a
T3b
Tumor infiltriert perivesikales Fettgewebe
Mikroskopisch
Makroskopisch (extravesikaler Tumor)
T4
T4a
T4b
Tumor infiltriert Prostata oder Uterus oder Vagina
Tumor infiltriert Prostata oder Uterus oder Vagina
Tumor infiltriert Becken- oder Bauchwand

Wann sollte eine Radiochemotherapie der Harnblase durchgeführt werden?

Generell kann eine Radiochemotherapie des Harnblasenkarzinoms dann durchgeführt werden, wenn der Tumor die Muskulatur erreicht hat, ohne dass jedoch eine Fernmetastasierung vorliegt, d. h. entsprechend der TNM-Klassifikation kommen prinzipiell Tumoren mit der Ausdehnung T2 - T3 infrage. Unklar ist, ob T1-Tumoren mit einem aggressiven histologischen Bild ebenso von einer Radiochemotherapie profitieren, da diese Tumoren in einem hohen Maße zu einem erneuten lokalen Tumorwachstum neigen bzw. zu einem invasiven Wachstum in die Blasenmuskulatur.

Welches Behandlungskonzept wird in der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie am Universitätsklinikum angeboten?

Basierend auf den Erfahrungen der Arbeitsgruppe aus Erlangen erfolgte eine Strahlentherapie über einen Zeitraum von ca. 5 Wochen, die das Tumorgebiet, die Blase und die benachbarten Lymphknotenstationen erfasst. Ist der Tumor einmal in die Muskulatur eingedrungen, besteht ein hohes Risiko für eine Metastasierung in die benachbarten Lymphknotenstationen, so dass diese in das Bestrahlungsfeld eingeschlossen werden, auch wenn in einer Computertomographie keine vergrößerten Lymphknoten nachgewiesen werden können.
Während der ersten 5 Tage und der letzten 5 Tage der Bestrahlungszeit wird eine Chemotherapie mit Cisplatin und 5FU verabreicht.

Welches Behandlungsergebnis ist zu erwarten?

Die lokalen Tumorkontrollen unterscheiden sich zwischen der vollständigen operativen Entfernung der Harnblase und der Radiochemotherapie mit Blasenerhalt nicht. Die Radiochemotherapie der Harnblase ist jedoch dazu in der Lage, in vielen Fällen eine funktionstüchtige Harnblase zu erhalten. Sollte die Bestrahlung nicht zu einer vollständigen Rückbildung des harnbalsenkarzinomes führen, empfiehlt sich die Entfernung der Blase (Zystektomie).

Autor Pat. Stadium RT / Chx. Ansprechrate (CR) 5 J. ÜL Blasenerhalt
Tester 1996 91 T2-4 MCV RT (39,6Gy) + Cispl. 75% 62% 44%
Kachnic 1997 106 T2-4 MCV RT (40Gy) + Cispl. 66% 52% 43%
Sauer 1998 184 T1 high risk - T4 RT (45/54Gy) + Cispl. Carbopl. 80% 56% 41%
Zietman 1998 18 T2-4 RT hfx + Cisplatin / 5-FU 78% 83% 78%
Hagan RTOG 2003 52 T2-4 RT hfx split course (46,2/64,8Gy) + Cispl., adj. MCV 74% 61% 48%
Perdona 2007 119 T2-4 MCV anschl. RT (45/65Gy) + Cispl. 88,7% 67,7% 51,2%
Kaufman RTOG 2008 80 T2-4 Taxol/Cispl. / RT 44,8/64.3Gy hfx, split course, adj. Gemc / Cispl. 82% 56% 59%

Unverändert besteht jedoch unabhängig vom therapeutischen Vorgehen ein Fernmetastasierungsrisiko, das teilweise über 40% beträgt, so dass in Zusammenarbeit mit dem überweisenden Urologen daran gedacht werden sollte, eine weitere zusätzliche Chemotherapie (Erhaltungschemotherapie) durchzuführen, die in der Regel aus den Substanzen Gemcitabine und Cisplatin besteht.

Ablauf der Therapie

Vor der Radiochemotherapie muss zystoskopisch der sichtbare Tumor abgetragen werden. Nach Ablauf der Radiochemotherapie erfolgt eine erneute Zystoskopie. Bei fehlendem Tumornachweis schließen sich zystoskopische Kontrollen in zunächst Dreimonatsabständen, anschließend halbjährlichen Abständen an. Tritt ein erneutes Tumorwachstum auf, muss an eine operative Entfernung der Harnblase gedacht werden.

Ablauf der Strahlenbehandlung

Es erfolgt eine individuelle Therapieplanung für jeden Patienten. Zur genauen Erfassung des Zielgebiets wird eine Computertomographie der Beckenregion angefertigt. Die Bilder werden bereits in Bestrahlungsposition angefertigt. Hierbei verhält der Dünndarm, aus der Beckenregion aus dem Bestrahlungsfeld nach kopfwärts heraus. Hierdurch wird die Verträglichkeit verbessert. Das Zielgebiet umfasst die Harnblase und die benachbarten Lymphknotenstationen. Mit Hilfe eines Dreidimensionallasersystems wird bereits zu diesem Zeitpunkt die genaue Position der Therapiefelder festgelegt. Mit dem gewonnenen Datensatz wird das genaue Zielgebiet von Ärzten bestimmt. Anschließend wird von medizinischen Physikern ein dreidimensionaler Bestrahlungsplan berechnet, der mit dem Therapiesimulator übertragen wird (Übertragung des CT-Plans, Computertomographie). Hierbei werden Markierungen angebracht, die eine exakte Einstellung der Therapiefelder erlauben. Diese Markierungen dürfen daher nicht entfernt werden.

Qualitätssicherung

Die Durchführung der Strahlentherapie unterliegt speziellen Qualitätssicherungsmaßnahmen um sicherzustellen, dass die beabsichtigte Therapie in der vorgesehenen Form umgesetzt wird. Hierzu gehören regelmäßige Kontrollen der Therapiefelder mit Röntgenbildern, die mit dem therapeutischen Strahl gewonnen werden. Gelegentlich wird zur Kontrolle die Simulation wiederholt.

Dosierung der Radiotherapie

Die Menge der Strahlendosis wird in der physikalischen Einheit Gray (= Gy) gemessen. Bei der Strahlenbehandlung der Beckenregion sind 50 Gy notwendig. Die Gesamtdosis kann unterschiedlich aufgeteilt werden. Entscheidend ist hierbei die Höhe der Einzeldosis. Die Aufteilung der Gesamtdosis in Einzeldosen (in der Regel 5 pro Woche) wird als Fraktionierung bezeichnet. Zur Senkung von Nebenwirkungen wird normalerweise eine niedrige Einzeldosis von 1,8 - 2,0 Gy und 5 Anwendungen pro Woche gewählt.
Nach Strahlenbehandlung der Harnblasenregion unter Einschluss der Lymphabstromgebiete der Beckenregion folgt eine gezielte Aufsättigung der Harnblase bzw. des Tumorgebietes. Es werden üblicherweise weitere 10 - 14 Gy gegeben.

Nebenwirkungen in der Bestrahlung

In der Radioonkologie wird zwischen den Nebenwirkungen, die während der Bestrahlung auftreten (= akute Nebenwirkungen) und Nebenwirkungen unterschieden, die erst nach Abschluss der Therapie Monate bis Jahre auftreten können (= Spätfolgen). Die akuten Nebenwirkungen bilden sich nach Abschluss der Therapie vollständig zurück. Spätfolgen demgegenüber sind bleibend. Belastende Spätfolgen sind heute zu einer Seltenheit geworden.

Akute Nebenwirkungen sind häufig und treten bei Anwendung moderner Bestrahlungstechniken nur in einer sehr milden Form auf. Im Mittelpunkt stehen Nebenwirkungen am Darm und in der Blase, vor allem mit vermehrtem Stuhldrang, der auch gelegentlich mit Durchfällen verbunden sein kann. Gleichzeitig können Reizzustände in der Blase auftreten mit vermehrtem Harndrang und Brennen beim Wasserlassen.
Die Bestrahlung wird mit einer Chemotherapie kombiniert, die an sich Nebenwirkungen an den Schleimhäuten und damit auch an den Darmschleimhäuten verursacht. Hierdurch kann die Neigung zu Durchfall in Einzelfällen deutlich gesteigert werden. Im Einzelfalle können zusätzliche medikamentöse Behandlungen notwendig werden, um die Nebenwirkungen zu bessern. Hautrötungen mit trockener Schuppung werden nur sehr selten beobachtet.

Was muss während der Bestrahlung beachtet werden, wie kann ich die Verträglichkeit der Strahlenbehandlung bessern?

Grundsätzlich muss die gewohnte Lebensführung nicht geändert werden. Auf die Haut im Bereich der Beckenregion dürfen keine Reizstoffe aufgetragen werden. Warmes Wasser und Duschen ist erlaubt, jedoch sollte keine Seife verwendet werden, da die Haut vorübergehend ihre Fähigkeit zur eigenen Schutzstoffbildung verliert. Da die Nebenwirkungen unter der Therapie sich vorwiegend auf Darm und Blase konzentrieren, sollte die Ernährung angepasst werden. Schwere Speisen, wie Sauerkraut und Hülsenfrüchte sowie zu scharfe Würzungen sollten vermieden werden. Milchprodukte können verzehrt werden, jedoch nicht zu einseitig und in nicht zu großen Mengen, da die Säurebakterien einen Durchfall provozieren können. Zur Senkung eines Risikos für eine Blasenentzündung sollte ein ausreichender Flüssigkeitsdurchstrom durch die Blase zu gewährleistet werden. Es sollte daher ausreichend Flüssigkeit getrunken werden.
Tendenziell sollte auch rohes blähendes Obst, wie z. B. Kirschen und Erdbeeren sowie frische Salate gemieden werden. Ebenso auch fette und scharf gebratene Speisen.
Tendenziell günstig wirken sich Kartoffeln, Reis und gekochtes Gemüse aus. Tritt einmal ein Durchfall auf, sollte darauf geachtet werden, dass die Flüssigkeitszufuhr ausreicht. Häufig können Banane oder schwarze Schokolade hilfreich sein.
Drückende, beengende sowie aus Synthetikmaterial bestehende Kleidungsstücke sollten vermieden werden.

Über die Risiken und Nebenwirkungen der Bestrahlung und welche Dinge während und nach der Bestrahlung beachtet werden müssen, wird die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt ausführlich mit Ihnen besprechen.

Sprechzimmer 2 (OA Dr. med. A. Liebmann):
Sprechzeiten: nach telefonischer Vereinbarung Mittwoch und Freitag ab 8.00 Uhr
(Frau I. Höber, Telefon: 0341 / 97-18471)

 
Letzte Änderung: 14.04.2015, 10:29 Uhr | Redakteur: ww
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