Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Hirntumore-Tumoren des Zentralen Nervensystems

Die Hirntumoren sind sehr selten und erfordern in der Therapie ein erfahrenes Team, bestehend aus den Fächern Neuroradiologie, Neuropathologie, Neurochirurgie, Strahlentherapie und Neurologie. Hirntumoren können an unterschiedlicher Stelle im Bereich des zentralen Nervensystems entstehen und je nach Lage sehr unterschiedliche neurologische Symptome oder Ausfälle erzeugen. Zudem finden sich unter den Tumoren des Zentralnervensystems zahlreiche unterschiedliche Gewebstypen, die eine speziell abgestimmte Therapie erfordern. Die Strahlentherapie steht nach der Operation in den meisten Fällen im Mittelpunkt der Therapie. Aufgrund der nicht selten schwierigen Zusammenhänge ist ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Radioonkologen notwendig, um das Behandlungskonzept ausführlich besprechen zu können. Das folgende Informationsmaterial ist darauf ausgerichtet, einen orientierenden Überblick zur Strahlentherapie bei der Behandlung von Tumoren des Zentralnervensystems zu geben.

Wir bieten folgende Therapieformen an:

Die Behandlungskonzepte werden in unserer Klinik ständig aktualisiert und dem neuesten wissenschaftlichen Kenntnisstand angepasst. Um eine optimale Verträglichkeit für den Patienten zu erreichen, bieten wir in der Mehrzahl spezielle stereotaktische Bestrahlungstechniken unter Einschluss eines besonderen Qualitätssicherungsprogrammes an, um die Heilungschancen optimal auszuschöpfen und die Nebenwirkungen zu senken. Die Therapien orientieren sich an den gängigen Leitlinien zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Deutschen Krebsgesellschaft bzw. der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft.
Die Therapien werden in einer engen Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurochirurgie eingesetzt. Die Behandlungen werden im Rahmen eines interdisziplinären Tumorbords zusammen mit den Kollegen der Neurochirurgie besprochen und entschieden.

Warum ist Bestrahlung bei Hirntumoren notwendig?
Wann und wie wird über die Strahlentherapie entschieden?
Zielgebiet, Dosierungen Therapiefeldern und Bestrahlungstechnik
Wie sehen die Bestrahlungstechniken im einzelnen aus?
Welche Dosis wird verabreicht?
Wie verhält man sich während der Bestrahlung / (akute Nebenwirkungen)?
Was muss bei der Bestrahlung von mir beachtet werden?
Was geschieht nach Abschluß der Bestrahlung?
Spätfolgen
Hirnleistung
Sprechzeiten
Weitere Informationen

Warum ist Bestrahlung bei Hirntumoren notwendig?

In den meisten Fällen bildet die Operation den ersten therapeutischen Schritt mit Entfernung sichtbaren Tumors oder auch zur Entlastung, um vorliegende Beschwerden zu verringern. Bei Tumoren im Bereich der hinteren Schädelgrube wird hierdurch auch der Druck auf Hirnstamm und die inneren Hirnwasserwege genommen. In den meisten Fällen ist die Operation jedoch nicht dazu in der Lage, den Tumor verlässlich zu entfernen, ohne mögliche mikroskopisches Resttumorgewebe zu hinterlassen. Häufig zeigen Hirntumoren die Eigenschaft, in das umgebende Hirngewebe zu infiltrieren, ohne dass diese Zellverbände mit bloßem Auge während der Operation oder aber vor der Operation mit Hilfe bildgebender Verfahren entdeckt werden können. Ausgedehntere Operationen, mit dem Ziel, diese möglichen Zellverbände zu entfernen, sind in der Regel unmöglich, da sonst unvertretbare neurologische Ausfälle verursacht würden. Das wesentliche Ziel der Bestrahlung ist in diesen Situationen, etwaige verbliebene Zellverbände zu beseitigen oder aber auch sichtbares Tumorgewebe zu beseitigen, das aufgrund der Lokalisation chirurgisch nicht vollständig entfernbar ist. So sind z.b. Tumoren, die den empfindlichen Hirnstamm oder wichtige funktionstragende Hirngebiete infiltrieren, häufig nicht resezierbar. Hieraus resultiert in den meisten Fällen die Notwendigkeit für eine Strahlenbehandlung der sogenannten „erweiterten Tumorregion". Das heißt, es wird ausschließlich das Gebiet des ursprünglichen Tumorsitzes und Gebiete möglicher Tumorinfiltration strahlentherapeutischen behandelt. Andere Tumoren des Zentralnervensystems, vorwiegend in der hinteren Schädelgrube gelegen, können eine besondere Eigenschaft aufzeigen mit Streuung von Tumorzellen über die Hirnwasserwege. Diese Streuungen können sich im Gehirn, aber auch im Rückenmarkskanal abspielen. Streuungen dieser Art sind chirurgisch nicht zu verhindern. Die Strahlentherapie ist dazu in der Lage, diese Gebiete des Zentralnervensystems ausreichend zu erfassen. Hierbei wird eine ausgefeilte Therapietechnik eingesetzt.

Wann und wie wird über die Strahlentherapie entschieden?

Die Strahlentherapie ist nach der Operation die wichtigste Behandlungsmaßnahme bei Tumoren des Zentralen Nervensystems. Durch enge Zusammenarbeit zwischen Neurochirurgie, Neuroradiologie, Neuropathologie, Neurologie, medizinischer Onkologie und Radioonkologie wurden in den letzten Jahrzehnten optimierte Therapiekonzepte für Tumoren des Zentralnervensystems entwickelt. Die Entscheidungen über die Therapieform werden in einem gemeinsamen Tumor-Bord, an dem alle beteiligten Fächer teilnehmen entschieden. Die entscheidungen basieren auf gemeinsamen Leitlinien zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Tumoren dews Zentralnervensystems. Hier wird in den meisten Fällen die Entscheidung über die Bestrahlung getroffen.
Durch die Entwicklung moderner Bestrahlungsgeräte (Linearbeschleuniger) wurde die Voraussetzung geschaffen, auch in der Tiefe des Körpers gelegene Tumoren zu bestrahlen. Hierdurch werden Nachbarorgane und auch die Hautoberfläche weitgehend geschont. Unabdingbare Voraussetzung, um eine optimierte Strahlentherapie durchzuführen, ist die Einführung computergestützter Bestrahlungsplanungssysteme, die eine individuell ausgerichtete Bestrahlung erreicht, mit dem Ziel, die Heilungsraten zu optimieren und etwaige Nebenwirkungen weitestgehend zu reduzieren. Die modernen bildgebenden Verfahren sind dazu in der Lage, exakt Tumor von Normalgewebe abzugrenzen, so dass sich in den letzten Jahren hochpräzise Bestrahlungstechniken entwickeln konnten. Im Gegensatz zur systemischen medikamentösen Therapie ist die Strahlentherapie eine rein lokale Maßnahme, d.h. sie wirkt nur im Bereich des Bestrahlungsfeldes. Das gilt sowohl für die erwünschte tumorzerstörende Wirkung als auch für die unerwünschten Nebenwirkungen.

Zielgebiet, Dosierungen Therapiefeldern und Bestrahlungstechnik

Gesamtdosis und Fraktionierung, Planungszielvolumina und Bestrahlungstechnik werden bei der Behandlung von Hirntumoren wesentlich bestimmt durch die Ausbreitungscharakteristik des jeweiligen Tumors, die Dosiswirkungsbeziehung des Tumorgewebes und durch die Strahlentoleranz benachbarter Risikostrukturen. Dabei ist neben der Strahlentoleranz des Gehirns diejenige der Augenlinsen, des Chiasma opticum und der Nervi optici sowie des Hirnstamms und des Zervikalmarks besonders zu beachten.

Entsprechend der Ausbreitungscharakteristik der einzelnen Tumoren werden drei grundsätzliche Volumenkonzepte realisiert:

1. Lokalbehandlung (erweiterte Tumorregion)
  • Supratentorielle Tumoren
    Niedrig und hochmaligne Gliome,
    Optikusgliom
    Kraniopharyngeome
    Ependymom ohne Liquoranschluß

2. Ganzhirnbestrahlung

  • Präventivbehandlung
    Maligne Systemerkrankungen (Lymphoblastische Leukämien)
  • Hirnmetastasen

3. Behandlung des gesamten Liquorraumes (Neuroachse)

  • Infratentorielle Tumoren
    Medulloblastom
    Ependymom
  • Supratentorielle Tumoren mit Anschluss an das Liquorsystem.
    Pinealistumoren (Keimzelltumoren, Pinealoblastom)
    PNET
    Ependymom

Wie sehen die Bestrahlungstechniken im einzelnen aus?

Bestrahlung der Tumorregion

Die Behandlung konzentriert sich auf das Tumorbett einschließlich eines Sicherheitssaumes mit möglichem (mit üblichen bildgebenden Verfahren nicht nachweisbarem = subklinischem) Befall (in der Regel 2,0 cm). Zur Optimierung der Bestrahlung werden individuell computergestützte Bestrahlungspläne angefertigt, um möglichst viel umgebendes Gewebe zu schonen (z. B. bei niedrig- und hochmalignen Gliomen).
Die Anwendung individualisierter Gesichtsmasken oder Aufbisstechniken ist Grundvoraussetzung, um eine exakte Lagerung des Kopfes zu erreichen. Das zu bestrahlende Gebiet umfasst den im CT oder MR sichtbaren Tumor unter Einschluss von Arealen mit möglicher Tumorinfiltration. Die Vorteile der computergestützten Bestrahlungsplanung sind die exakte Lokalisierung des Bestrahlungsgebietes sowie eine präzise Abgrenzung kritischer Organe wie des Hirnstamms und der Sehbahnkreuzung (Chiasmas). Die Computertomographie gewinnt für die physikalische Bestrahlungsplanung zusätzlich Dichtewerte, die für Bestrahlungsplanung notwendig sind, so dass eine individualisierte, optimale Feldanpassung und Dosisverteilung berechnet werden kann.

Stereotaktische Konformationsbestrahlungen

Eine tumorkonforme Bestrahlung, d.h. individuelle Anpassung an irregulär geformte Tumoren wird durch die 3-dimensionale Konformationsbestrahlung erreicht. Spezielle, individuelle Kollimatoren ermöglichen eine individuelle Feldanpassung und damit größtmögliche Schonung von Normalgewebe.

Stereotaktische Einzeitbestrahlung / Linearbeschleunigergestützte Systeme oder sog. Gamma-knife

Das Ziel der stereotaktischen Einzeitbehandlung besteht darin, eine klinisch ausreichende Dosis innerhalb des Tumors zu applizieren und eine Mitbestrahlung normalen, umgebenden Hirngewebes auszuschließen bzw. zu minimieren. Es können mit einer Einzeitbestrahlung gut abgegrenzte Tumoren geringer Ausdehnung exakt und hochdosiert bestrahlt werden. Die stereotaktische Einzeitbestrahlung kommt typischerweise bei einzelnen Hirnmetastasen (nicht mehr als drei vorliegende Herde, Gefäßmissbildungen und gutartigen Tumoren, die vom Hörnerven ausgehen (Akustikusneurinome) zum Einsatz. Linearbeschleuniger gestützte System und das sog. Gamma Knife unterscheiden sich lediglich in technischen Einzelheiten, nicht aber im medizinischen Einsatzgebiet. Der wesentliche technische Unterschied zwischen beiden Systemen liegt in folgendem :
Gamma Knife : Über 200 einzelne Telecobaltquellen produzieren ein Strahlungsbündel mit kleinstem Durchmesser. Die Bündel kreuzen sich in einem Punkt. Die Bündelung wird durch einen speziellen Helm erreicht (wird in unserer Klinik nicht angeboten).
Linearbeschleuniger gestützte Systeme : Der erzeugte Strahl wird mit einem speziellen röhrenförmigen Aufsatz kleinsträumig eingegrenzt. Dieser Strahl wird über mehrere Kreisbögen geführt und konzentriert sich in einem definierten Schnittpunkt (=Isozentrum). Hierdurch wird eine maximale Fokussierung erreicht (quasi wie in einem Brennglas).

Ganzhirnbestrahlung (unter Einschluss der Meningen, sog. „Helmfeld"):

Die Bestrahlung erfolgt über zwei seitliche Felder, die um 180 Grad aufeinander stehen. Das Zielgebiet umfasst bei Metastasen die Hirnstrukturen, bei Leukämien aber auch die äußeren Hirnwasserräume, die sich entlang der äußeren Hirnhäute (Meningen) erstrecken. Letztere Gebiete müssen häufig in das Therapiefeld integriert werden, da hier Tumorzellen (vorwiegend beim Medulloblastom, Keimzelltumoren und bei Leukämien) über den Hirnwasserfluss verschleppt werden. Eine unzureichende Erfassung ist daher mit einem erhöhten Risiko für einen Rückfall der Tumorerkrankung verbunden, so dass sich eine besonders sorgfältig durchgeführte Bestrahlungstechnik entscheidend auf die Behandlungsergebnisse auswirkt. Durch spezielle Blenden wird das übrige Gewebe des Kopfes (Augen/Gesichtsbereich, Mundhöhle und Rachen) aus dem Bestrahlungsfeld herausgelassen.

Strahlenbehandlung der Neuroachse

Das Gehirn und der Spinalkanal werden bei Tumoren mit spinaler Aussaat bestrahlt (Medulloblastom, Keimzelltumoren, Lymphome). Sie besteht im wesentlichen aus der „Helmtechnik" (siehe oben) und daran anschließenden spinalen Bestrahlungsfeldern. Eine reproduzierbare Lagerung mit entsprechenden Fixationshilfen bildet die Voraussetzung für eine exakte Feldeinstellung. Anschließend erfolgt in der Regel eine lokale Strahlentherapie des ursprünglichen Tumorsitzes. Diese Bestrahlungstechnik entspricht üblicherweise der o.g. Vorgehensweise.

Bestrahlung „von innen"

Dese Behandlungsmethode kommt nur selten um Einsatz. In speziellen, ausgewiesenen Zentren (Freiburg : Prof. Nikkah, Köln / Prof. Sturm, Magdeburg / Prof. Voges,) werden stereotaktisch geführt, radioaktive, kleinste „Körner" (eng. „seeds") eingepflanzt. Die heutigen stereotaktischen Techniken erlauben eine hochpräzise Platzierung der „seeds" bzw. Durchführung dieser Behandlung. Die wesentliche Eigenschaft der radioaktiven Substanz (in der Regel Jod 121), der sog. steile Dosisabfall zur Peripherie wird hierdurch optimal genutzt. Der steile Dosisabfall bedeutet, dass in unmittelbarer Nachbarschaft des „seeds" die höchste Dosis verabreicht wird, in wenige Millimeter Entfernung aber so gut wie keine Dosis mehr abgegeben wird. Hierdurch wird das umgebende Gewebe maximal geschont. Für diese Behandlung kommen jedoch nur Tumoren beschränkter Größe und an bestimmter Lokalisation und nur besondere Tumortypen in Frage (niedrig maligne Gliome, möglicherweise auch hochmaligne Giome)

Welche Dosis wird verabreicht?

Die für eine Tumorvernichtung notwendige Dosis richtet sich nach der Strahlenempfindlichkeit des entsprechenden Tumors. Hochmaligne Gliome benötigen eine Dosis bis 60 Gy, niedrig maligne Gliome zwischen 45 und 54 Gy. Bei Hirnmetastasen wird üblicherweise das gesamte Gehirn bis 30 Gy bestrahlt. Je nach klinischen Umständen und ursprünglicher Tumorart können die Dosisverschreibungen aber individuell angepasst variieren. Das Medulloblastom im Bereich der hinteren Schädelgrube erhält 54-55 Gy, die Ependymome eine Dosis von mindestens 54 Gy. Die zusätzliche prophylaktische Behandlung des gesamten Liquorraumes muss auch die Strahlenempfindlichkeit des normalen Gewebes berücksichtigen, vor allem bei Kindern unterhalb des 6. Lebensjahres. Die notwendigen Dosierungen bewegen sich zwischen 12 und 18 Gy bei Leukämien, 24 bis 30 Gy bei Keimzelltumoren und 24 bis 36 Gy beim Medulloblastom. Vor Beginn der Radiotherapie wird die Höhe der Einzeldosis, die Enddosis und die Anzahl der einzelnen Gaben (=Fraktionen) vom Radioonkologen festgelegt. In der überwiegenden Mehrheit orientiert sich das vorgesehene Bestrahlungskonzept an bestimmten Standards oder an den entsprechenden Therapieprotokollen für die Behandlung von Hirntumoren, vor allem im Kindesalter. Die Dosiskonzepte unterliegen daher auch einer weiteren Erforschung mit dem Ziel, höhere Heilungschancen zu erreichen, gleichzeitig aber auch etwaige Nebenwirkungsrisiken zu reduzieren.

Wie verhält man sich während der Bestrahlung / (akute Nebenwirkungen)?

Lebensführung

Üblicherweise ist das akute Nebenwirkungsrisiko unter der Strahlentherapie so gering, dass eine Einschränkung des täglichen Lebens nur selten notwendig ist. Vor allem während der Frühlings- und Sommermonate sollte jedoch darauf geachtet werden, direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Einer Kopfbedeckung sollte der Vorzug gegeben werden. Ebenso sollte auch Schwimmen während der Behandlungszeit nicht gestattet werden. Weitere Einzelheiten bespricht der betreuende Radioonkologe mit dem Patienten. Die übliche Nebenwirkung der Bestrahlung ist die Hautrötung verbunden mit einer trockenen Schuppung im Bereich der Therapiefelder. Sie hängt von der Dosis und der Therapietechnik ab und kann erheblich variieren. Gleichzeitig tritt häufig ein Haarausfall auf, ausschließlich dort, wo Strahlung die Haarwurzeln erreicht.
Beide Nebenwirkungen bilden sich nach Abschluß der Bestrahlung meist zurück. Selten kommt es zu bleibenden Hautveränderungen, Braunverfärbung, „Besenreisern" oder einer Verdünnung und Verhärtung des Unterhautgewebes. Bleibender Haarausfall kann dort auftreten, wo eine Operationsnarbe liegt oder wo eine Aufsättigung eines Tumorgebiets erfolgte. Vorübergehend können auch Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen auftreten. Vorübergehende Gaben von Kortison beseitigen diese Probleme rasch. Liegt der Schlund und die Speiseröhre im Bereich der Austrittspforten der Therapiefelder, kann es vorübergehend zu Schluckbeschwerden und Heiserkeit kommen. Die Risiken für Nebenwirkungen müssen je nach individueller Bestrahlungstechnik und Dosierung mit dem Radiotherapeuten besprochen werden. Diese Nebenwirkungen, die unter Bestrahlung bzw. kurz danach auftreten, werden von den Spätfolgen getrennt, die Monate bis Jahre nach Abschluß entstehen können

Wichtig : Therapienebenwirkungen treten nur dort auf, wo die Strahlung verabreicht wird. Fernwirkungen gbt es nicht.

Hautpflege

Spezielle Hautpflegemaßnahmen sollten mit dem Strahlentherapeuten abgesprochen werden. Die Haut im Bestrahlungsfeld darf ausschließlich mit Substanzen gepflegt werden, die vom Strahlentherapeuten verordnet wurden. Mechanische Reize im Bereich der bestrahlten Haut sollten vermieden werden. Ob und wie intensiv die bestrahlte Haut gewaschen werden darf, sollten Sie bitte mit dem Arzt besprechen.

Was muss bei der Bestrahlung beachtet werden?

Haare waschen ist während der Strahlenbehandlung erlaubt. Nach Möglichkeit sollte ein mildes Shampoo (z. B. Babyshampoo) verwendet werden. Kaltes und zu heißes Wasser sollte vermieden werden.
Es sollte vor allem die direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden. Es empfiehlt sich daher, bei Sonnenschein eine Kopfbedeckung zu tragen.
Der Alkoholgenuss sollte unterbleiben.
Es besteht keine Fahrtüchtigkeit.
Sollten zusätzliche Medikamente eingenommen werden, muss hierüber der Arzt unbedingt informiert werden, da einige Medikamente einen negativen Einfluss auf das Allgemeinbefinden und etwaige Neigung zu Krampfanfällen ausüben können.
Weitere Einzelheiten wird die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt mit Ihnen besprechen.

Was geschieht nach Abschluß der Bestrahlung?

Bei Abschluss der Bestrahlung erfolgt üblicherweise eine Kontrolluntersuchung. Hierbei werden das therapeutische Ergebnis, die etwaigen Nebenwirkungen unter Therapie und das weitere Vorgehen besprochen. Hierzu gehören auch die weiteren möglicherweise notwendigen Medikamente, die Hautpflege und Lebensweise. In Einzelfällen kommen zusätzliche Chemotherapien in Frage. Häufig wird ein kurzfristiger Kontrolltermin einberaumt, vor allem dann, wenn bei Abschluss der Radiotherapie Nebenwirkungen festzustellen sind. Die weitere Nachsorge erfolgt interdisziplinär, d.h. in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Neurochirurgie und der Neurologie. Es erfolgen regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen, die auch teilweise innerhalb spezieller Behandlungsprotokolle nach bestimmten Rhythmen vorgeschrieben sind.

Innerhalb des Nachsorgeprogrammes ist es notwendig, dass der betreuende Radioonkologe den betroffenen Patienten mindestens 1 x pro Jahr sieht. Langfristige Therapiefolgen können auch noch nach Jahren auftreten und von Kollegen, die keine radioonkologische Fachausbildung erhalten haben, fehlgedeutet werden. Nicht selten können Rückfälle als Therapiefolge fehlverstanden werden. Ausschließlich der Radioonkologe verfügt über die Ausbildung und Erfahrung, etwaige Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen und notwendige Therapiemaßnahmen einzuleiten.

Spätfolgen

Spätfolgen sind ein komplexes Thema und werden von den akuten Nebenwirkungen getrennt. Mit zunehmenden Heilungsraten tritt das Risiko für Spätfolgen immer weiter in den Vordergrund. Wesenliches Ziel derzeitiger Entwicklungen auf dem Gebiet der Therapiekonzepte ist die Senkung des Risikos für Therapiefolgen. Mögliche Therapiefolgen müssen eingehend mit dem Strahlentherapeuten besprochen werden, da für jeden Patienten ein sehr unterschiedliches Risiko besteht. Das Muster an möglichen Spätfolgen ist häufig ein Mischbild von folgenden Faktoren :

  • Tumor
  • Hirndruck
  • Operation
  • Strahlentherapie
  • Chemotherapie / Systemtherapie (antikonvulsive Medikation)

Beeinträchtigung des Hormonhaushaltes (Schilddrüse, Nebennieren -Wasserhaushalt und Blutsalzkonzentrationen, Geschlechtsfunktion, Wachstumshormon).
Hierbei wird die zentrale Steuerung der Hormonbildungen gestört, indem die Hirnanhangsdrüse und benachbarte Hirnareale, die ihrerseits die Hirnanhangsdrüse steuern, in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Hormonstörungen sind ein sehr komplexes und kompliziertes Gebiet. Eine regelmäßige Überwachung durch fachkundige Ärzte ist notwendig, um rechtzeitig Ausfälle zu erkennen, die heute durch entsprechende Medikamente ausgeglichen werden könen.

Hirnleistung

Dieser Punkt ist ebenso kritisch und wichtig, wie auch in den Erfahrungen widersprüchlich.
Generell gilt : je größer das Therapiefeld im Bereich des Kopfes, je höher die Dosierung, vor allem die Einzeldosis und je mehr zusätzliche Chemotherapien gegeben werden, umso höher ist das Risiko für Beeinträchtigungen der Hirnleistungsfähigkeit. Hinzu kommt die häufig eingesetzte antiepileptische Therapie. Es gibt etliche Untersuchungsserien, die keinen Einfluss der Bestrahlung auf die Hirnleistungsfähigkeit zeigten, aber auch Serien, die einen negativen Effekt nachweisen konnten. Das Risiko für Therapiefolgen dieser Art ist individuell je nach Alter, Krankheits- und Therapiekonstellation sehr unterschiedlich und muss eingehend mit dem Strahlentherapeuten besprochen werden. Vor allem bei Kindern sind etwaige Änderungen bei Hirnleistungen wichtig. Für diese Fragestellung muss in jedem Fall ein Kinderarzt mit einbezogen werden.

Die auslösenden Faktoren sind in der Regel sehr komplex und hängen häufig eng zusammen. Lang bestehender erhöhter Hirndruck und operative Komplikationen können allein bereits einen erheblichen, bleibenden Abfall der Hirnleistungsfähigkeit verursachen. Der Tumor an sich kann ebenfalls zu Störungen führen. Vor allem die Gabe von bestimmten chemotherapeutischen Substanzen (z.B Methotrexat), aber auch die Gabe von Antiepileptika kann eine ausgesprochene Gefahr für Hirnveränderungen bedeuten.

Sprechzimmer 1 (Frau Dr. med. F. Friedrich):
Sprechzeiten: nach telefonischer Vereinbarung täglich ab 8.00 Uhr
(Frau I. Höber, Telefon: 0341 / 97-18471)

Weitere Informationen

Zum Thema Strahlentherapie bei Hirntumoren im Kindesalter steht das Studien- und Referenzzentrum Strahlentherapie für Hirntumoren im Kindesalter der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie zur Verfügung:

Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
Adresse:
Universität Leipzig
Johannisallee 34
04103 Leipzig
Tel. : 0341 / 97-18542
Fax : 0341 / 97-18409

 
Letzte Änderung: 14.04.2015, 11:05 Uhr
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