Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Welche Formen der Strahlenbehandlung gibt es?

Je nach Tumorerkrankungen, Tumorsitz und Ausbreitung der Tumorerkrankungen werden geeignete Bestrahlungstechniken eingesetzt.
Im Mittelpunkt steht die sichere Erfassung des Zielgebietes. Hierzu gehört:
  • die 3-dimensionale konformale Bestrahlung von außen (externe 3D konformale
    Radiotherapie,
  • die 3D konformale Radiotherapie unter Verwendung der Intensitätsmodulation
    (intensitätsmodulierte Radiotherapie),
  • die stereotaktische Hochpräzisionsbestrahlung, entweder in Form einer einzigen
    Sitzung (Synonym Einzeittherapie/Radiochirurgie) oder aufgeteilt in einzelne Fraktionen
    (fraktionierte stereotaktische Radiotherapie),
  • die Ganzkörperbestrahlung (total body irridation - TBI),
  • die HDR-Brachytherapie,
  • die Oberflächen-Kontakttherapie mit konventioneller Röntgenbestrahlung.

Bestrahlung von außen (externe oder perkutane Strahlenbehandlung)

Diese Form der Strahlenbehandlung ist mit Abstand die häufigste. Die Bestrahlung wird von speziellen Therapiegeräten erzeugt. Die erzeugte Strahlung wird in Therapiefelder geformt und dringt von außen in das Innere des Körpers ein.

Welche Bestrahlungsgeräte werden bei der Radiotherapie von außen eingesetzt?

Die ersten Geräte, die bei der Anwendung von Röntgenstrahlung zum Einsatz kamen, waren einfache Röntgentherapiegeräte. Der Nachteil dieser Geräte lag darin, dass sich die Strahlung an der Oberfläche des Körpers konzentrierte und in die Tiefe kaum eine sinnvolle Dosis gelangte.  Erst die Einführung der Kobaltgeräte Anfang der 50er Jahre eröffneten den Weg zur Tiefenbestrahlung. Heute werden Kobaltgeräte nur noch sehr selten eingesetzt. Die modernen technischen Entwicklungen haben inzwischen leistungsfähigere, technisch ausgereifte und zuverlässige Therapiegeräte hervorgebracht, die Linearbeschleuniger. In diesen Linearbeschleunigern werden ultraharte Röntgenstrahlen produziert, die dazu in der Lage sind in tiefe Körperregionen einzudringen und die Oberfläche zu schonen. Unter Verwendung moderner computergestützter Bestrahlungsplanungssysteme können diese Therapiefelder individuell angepasst, gebündelt und gezielt verabreicht werden.

3-dimensionale konformale (stereotaktische) Strahlentherapie

Unter dem Begriff stereotaktische Strahlentherapie werden heute ganz allgemein Bestrahlungstechniken zusammengefasst, die eine räumlich genaue Gabe von Strahlung in einem bestimmten Zielgebiet ermöglicht. Dieses Ziel wird dadurch erreicht, dass die Strahlung aus allen drei Raumebenen gegeben werden kann. Die Behandlung ist darauf ausgerichtet, einen möglichst steilen Dosisabfall zum umgebenden gesunden Gewebe zu erreichen. Hierdurch wird eine maximale Schonung des gesunden Gewebes erreicht, gleichzeitig auch die Möglichkeit eröffnet, im Tumorgebiet hohe Strahlentherapiedosen zu geben, um die Beseitigung des Tumors zu verbessern.
Die hohe Genauigkeit der Bestrahlung wird dadurch erreicht, dass spezielle Fixierungen eingesetzt werden.
Vor allem bei der Behandlung von Tumoren im Kopfbereich werden hierfür spezielle Maskensystem angewandt. Die Genauigkeit der Strahlenapplikation liegt in einem Bereich von 0,5 bis 2 mm. Auch außerhalb des Kopfes wird diese Bestrahlungstechnik angewandt, vor allem bei der Behandlung des Prostatakarzinoms.
Generell wird zwischen einer stereotaktischen Einzeitbestrahlung (Radiochirurgie) und einer fraktionierten 3-dimensionalen stereotaktischen Bestrahlung unterschieden.

Die stereotaktische Einzeitbestrahlung (Radiochirurgie) wird vorwiegend bei Gefäßmissbildungen im Kopf, Hirnmetastasen und auch gutartigen Tumoren der Hörnerven eingesetzt (Akustikusneurinom). Gelegentlich kann sie auch bei anderen Hirntumoren wie Meningeomen, Hypophysentumoren und Kraniopharyngeomen eingesetzt werden. Hierbei ist sie allerdings als experimentell einzustufen.

In der überwiegenden Mehrheit kommen fraktionierte stereotaktische Bestrahlungstechniken zum Einsatz. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Meningeome, niedriggradige Gliome. Hypophysenadenome, Kraniopharyngeome, Akustikusneurinome, in einzelnen Fällen auch Aderhautmelanome.

Die 3D konformale Radiotherapie außerhalb des Kopfes wird vor allem bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, der Lunge, des Bauches und des Beckens eingesetzt, vor allem beim Prostatakarzinom.

Bei der stereotaktischen Strahlentherapie können feststehende Felder die Strahlung im Zielgebiet fokussieren. Alternativ kann ein Strahl in einem Kreisbogen geführt die Strahlung im Zielpunkt konzentrieren (Konvergenztherapie). Diese Kreisbögen können aus unterschiedlichen Richtungen geführt werden. Diese Therapie wird vorwiegend bei der Behandlung von Hirnmetastasen und Akustikusneurinomen sowie Gefäßmissbildungen eingesetzt.

Die Durchführung ist technologisch sehr anspruchsvoll und erfordert ein Höchstmaß an Qualitätssicherung, um die hohe Genauigkeit der Technik sicherzustellen. Entlang dem jeweiligen Strahl ist die Strahlendosis so gering, dass das durchstrahlte gesunde Gewebe kaum belastet wird und keine Nebenwirkungen zeigt. Schließlich treffen sich die Strahlen wie in einem Brennpunkt und erzeugen die gewünschte Dosis im Zielgebiet dadurch, dass die vielen kleinen Strahlendosen sich zu einer hohen Dosis aufsummieren

Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT)

Die intensitätsmodulierte Strahlentherapie ist eine Weiterentwicklung der 3D konformalen Radiotherapie und basiert ebenso auf computertomographisch gewonnenen Daten. Neben der Bestrahlungsmöglichkeit aus allen 3 Raumebenen wird zusätzlich die Intensität der Strahlung innerhalb des Therapiefeldes variiert und den Notwendigkeiten der Tumorgröße, der Tumorform und der Tiefe des Tumors innerhalb des Körpers angepasst.
Im Unterschied zur 3-dimensionalen konformalen Technik, bei der die Intensität der einzelnen Bestrahlungsfelder über die gesamte Feldfläche gleichförmig ist, wird bei der IMRT jedes Therapiefeld in unterschiedliche Unterfelder mit einer unterschiedlichen Strahlenintensität aufgeteilt. Werden diese Felder aufeinander summiert, ergibt sich hierdurch eine Modulation der Strahlenintensität. Dadurch werden auch komplizierte Tumorformen zielgenauer und angepasster bestrahlt. Hierdurch wird gleichzeitig das umgebende gesunde Gewebe besser geschont. Darüber hinaus ist die IMRT in der Lage, die Strahlendosis im Tumor selbst zu variieren. Tumorgewebe mit einer höheren Widerstandskraft gegenüber Strahlung kann daher mit einer höheren Dosis bestrahlt werden. Umgekehrt kann umgebendes gesundes Gewebe mit einer niedrigeren Dosis belastet werden.

Vorteil:

Von der intensitätsmodulierten Strahlentherapie profitieren vor allem Patienten, bei denen ein sehr unregelmäßig geformtes Zielgebiet bestrahlt werden muss, bei denen Zielgebiet eng neben gesunden Organen liegt , und bei denen zur Behandlung des Tumors relativ hohe Dosierungen erforderlich sind, um die notwendige Tumorabtötung zu erreichen.

Im Mittelpunkt der intensitätsmodulierten Radiotherapie stehen daher die Strahlenbehandlungen bei folgenden Tumorerkrankungen:

  • Tumoren des Zentralnervensystems
  • Tumoren im Kopf-Hals-Bereich
  • Lungentumoren
  • Tumoren im Brustkorb (Mediastinum)
  • Tumoren im Magen-/Bauchspeicheldrüsen-Bereich
  • Brustkrebs, wenn die benachbarten Lymphknotenstationen mit behandelt werden müssen
  • Prostatakarzinom
  • Generell Tumoren der Beckenregion (z.B. Tumoren der Gebärmutter und des Enddarms)

Bestrahlung „von innen"

HDR-Afterloading-Therapie

Bei der HDR-Afterloading-Therapie oder auch Brachtherapie wird ein radioaktives Nuklid verwendet (Iridium 192), das Röntgenstrahlung produziert. Die radioaktive Quelle weist einen Durchmesser von ca. 1mm auf. Dieser radioaktive Strahler wird ferngelenkt über einen Schlauch in des gewünschte Gebiet geführt. Diese Führung kann entweder über einen vorgeformten Hohlkörper erfolgen (z.B. intravaginle Einlage bei Gebärmutterkrebs) oder aber über eine Schlauchapplikatorennadel, die in Narkose in das Zielgebiet eingeführt wird (z.B. HRD Brachytherapie beim Prostatakarzinom). Die Behandlung ist nur auf einen kurzen, wenige Minuten dauernden Zeitraum vorbestimmt. Mit einer speziellen computergestützten Planung wird die Lage des radioaktiven Strahlers gesteuert, sodass eine exakte Dosisverteilung auf kleinsten Raum berechnet werden kann. Die Strahlung wird nur über wenige Millimeter Gewebetiefe appliziert, sodass das umgebende Gewebe sehr gut geschont werden kann.

Häufig wird die HDR Brachytherapie mit einer Strahlenbehandlung von außen kombiniert. Bei folgenden Erkrankungen kommt die HDR Afterloading bzw. Brachytherapie zum Einsatz:

  • Mammakarzinom (Bestrahlung des Tumorbettes)
  • Prostatakarzinom (in Kombination mit einer Strahlenbehandlung von außen)
  • Gebärmutterkrebs (als intravaginale Einlage) Gebärmutterhalskrebs (als Einlage im Gebärmutterhalskanal)
    meist in Kombination mit einer Strahlenbehandlung von außen
  • als Oberflächetnherapie bei Hauttumoren (Basaliome, Plattenepithelkarzinome der Haut)
  • in Einzelfällen bei Weichteiltumoren

Ganzkörperbestrahlung

Die Ganzkörperbestrahlung wird im Rahmen einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation durchgeführt. In der überwiegenden Mehrheit erfolgt die Behandlung bei Leukämien. Das Ziel der Behandlung ist, etwaige verbliebene Leukämiezellen, die der Chemotherapie entgangen sind, abzutöten und das körpereigene Immunsystem zu beseitigen. Um dieses Ziel zu erfüllen, muss daher der gesamte Körper einer gleichmäßigen Dosis ausgesetzt werden. Gleichzeitig darf die Strahlung die Verträglichkeit lebenswichtiger Organe nicht überschreiten. Die Dosis ist daher begrenzt.
Um die Verträglichkeit zu verbessern, wird daher üblicherweise die Behandlung auf mehrere Einzelsitzungen aufgeteilt, um die Erholungsfähigkeit der Organe von Strahlung zu nutzen.
In einigen Fällen erfolgt die Ganzkörperbestrahlung nur mit einer einzigen, sehr niedrigen Dosis. Hierbei wird das Immunsystem nicht ausgelöscht, sondern nur in einer besonderen Art verändert. Die Ganzkörperbestrahlung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Hämatologie und Onkologie. Die Auswahl der Therapieform erfolgt nach Erkrankungstyp, Therapieform und Therapieziel. Weltweit existieren über 500 Zentren für Knochenmark- und Stammzelltransplantationen mit mehr als 5000 Transplantationen pro Jahr, so dass inzwischen sehr viele Erfahrungen über die Möglichkeiten und Grenzen der Ganzkörperbestrahlung bestehen.
Die Bestrahlungstechnik variiert stark zwischen den einzelnen Einrichtungen, ohne dass es jedoch Unterschiede bei der Zielrichtung der Behandlung gibt. In der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie wird ein weltweit besonderes Verfahren angewendet, um eine bestmögliche Verträglichkeit bei gleichzeitiger, optimaler Dosisverteilung zu erreichen. Hierzu ist ein großer Abstand zwischen Bestrahlungsgerät und Patient notwendig.
In unserer Klinik erfolgt die Behandlung mit einem großen Abstand über 2 Stockwerke durch einen kaminähnlichen Schacht. Durch den großen Abstand wird eine sehr gleichmäßige Dosisverteilung erreicht, gleichzeitig wird die Bestrahlung über einen längeren Zeitraum pro Sitzung verabreicht. Hierdurch resultiert ebenso eine bessere Verträglichkeit.

Für jeden Patienten wird ein individueller Bestrahlungsplan berechnet, der sich an Größe und Konfiguration des betroffenen Patienten orientiert. Vor Beginn der Therapie wird daher eine Computertomographie angefertigt, um einen dreidimensionalen, physikalischen Datensatz zu gewinnen, mit dem die Berechnung des Bestrahlungsplanes auf individueller Basis erfolgen kann. Mit Hilfe dieses Datensatzes können zudem individuelle Blöcke zum Schutz der Lunge angefertigt werden.

Bei der Behandlung muss berücksichtigt werden, dass zur Ganzkörperbestrahlung die Knochenmark- oder Stammzelltransplantation gehört, da der Mensch ohne funktionierendes Immunsystem und eine Blutbildung nicht existieren kann. Die Bestrahlung schafft schließlich Platz für die transplantierten Stammzellen oder das transplantierte Knochenmark und verhindert körpereigene Abwehrmechanismen gegen das transplantierte Knochenmark. Nur hierdurch kann eine Heilung erreicht werden.

 
Letzte Änderung: 14.04.2015, 10:07 Uhr
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