Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Brachytherapie (Bestrahlung von innen)

Alternativ zur Strahlenbehandlung von außen kann eine radioaktive Strahlenquelle auch direkt in den Tumor eingebracht werden (interstitielle Bestrahlung oder interstitielle Brachytherapie). In unserer Klinik wird das Nachladeverfahren (Afterloading) durchgeführt, in dem Hohlnadeln über den Damm in die Prostataregion eingelegt werden. Die Einlage erfolgt unter Ultraschallkontrolle bei gleichzeitiger Füllung der Blase mit Kontrastmittel. Hierdurch werden Komplikationen ausgeschlossen, wie z. B. eine Verletzung (Perforation) von Blase und Enddarm. Die Ultraschallkontrolle und die Durchleuchtungskontrolle erlauben eine exakte Positionierung der Nadeln. Über diese Hohlnadeln erfolgt für eine kurze Zeit ferngesteuert die Einlage eines radioaktiven Strahlers (Iridium 192), der eine sehr hohe Strahlendosis im Tumor erzeugt. Der Dosisabfall zur Nachbarschaft ist sehr steil, so dass vor allem Blase und Rektum hierbei geschont werden.

Gleichzeitig erlaubt das Verfahren auch eine optimale Schonung der Harnröhre, die zentral durch die Prostata führt. Nachteil (wie bei der dauerhaften Einpflanzung von radioaktiven Körnchen (= Seed implantation) ist, dass im Prostatakapselbereich gegebenenfalls Unterdosierungen auftreten können. Diese etwaigen Unterdosierungen werden durch eine Strahlentherapie von außen ausgeglichen. Demzufolge wird die interstitielle Brachytherapie in eine Strahlenbehandlung von außen eingebettet und erfolgt in zwei Sitzungen, einmal pro Woche in einem Abstand von 1 - 2 Wochen, während der laufenden Strahlenbehandlung von außen, die ca. 5 Wochen dauert.
Für den Eingriff werden die Patienten über 2 - 3 Tage stationär aufgenommen. Die Einlage der Hohlnadeln erfolgt entweder in Vollnarkose oder aber in einer Betäubung der unteren Körperhälfte (Lumbalanästhesie). Die Einzelheiten werden mit dem Anästhesisten besprochen.

Nebenwirkungen

Nach Einlage der Katheter kann es zu einer vorübergehenden Verstärkung der Nebenwirkungen mit vermehrtem Harn- und Stuhldrang kommen. Im Dammbereich kann ein leichter Druckschmerz empfunden werden. Komplikationen mit Perforation und Entzündungen sind eine große Seltenheit.

Ergebnisse der Strahlenbehandlung

Die alleinige Strahlentherapie erreicht in den frühen Stadien Heilungen, die deutlich über 80% liegen. Die Heilungschancen hängen vom Risikoprofil, vor allem aber von der applizierten radiotherapeutischen Dosierung ab. Durch Anwendung moderner Bestrahlungstechniken können heute deutlich höhere Dosierungen dadurch angewandt werden, dass die benachbarten Organe Enddarm und Blase besser geschont werden können. Hierdurch sind in den letzten Jahrzehnten die Chancen auf Heilung deutlich gestiegen.


 
Letzte Änderung: 10.06.2010, 11:11 Uhr
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Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie