Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
 Universitätsmedizin Leipzig
Die Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie führt ein studentisches Curriculum durch.

Studentisches Curriculum

Physikalische Grundlagen
Biologische Grundlagen
Technische und Methodische Grundlagen der Strahlentherapie
Klinische Strahlentherapie
Blockpraktikum am Krankenbett
Lehrunterlagen

Ziel der Lehrveranstaltung

Die Strahlentherapie (Radioonkologie) ist nach der Operation die wichtigste Behandlungsmaßnahme in der kurativen Krebstherapie. Ca. 50% aller Tumorpatienten benötigen im Verlaufe ihrer Erkrankung eine Radiotherapie. Die Lehrveranstaltung bietet eine Einführung in das Fach Radioonkologie und vermittelt Wissen auf dem Gebiet der technischen und methodischen Grundlagen der Strahlentherapie bösartiger Tumoren und gutartiger Erkrankungen. Ferner werden Kenntnisse über biologische Wechselwirkungen vermittelt. Die Prinzipien der klinischen Anwendung und die wichtigsten Indikationen stehen im Mittelpunkt der Lehrveranstaltungen. Neben Vorlesungen und Seminaren in Kleingruppen werden auch Unterrichtsveranstaltungen am Krankenbett abgehalten. Die Veranstaltungen erfolgen zwar innerhalb des Querschnittbereiches 1, sind aber im Wesentlichen praktisch klinisch ausgerichtet. Die Präsentationen der Lehrveranstaltungen des Kurses können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Für Interessierte stehen Informationen über das Berufsbild des Radioonkologen zur Verfügung. Dort finden Sie auch weiteres Informationsmaterial zu klinischen Aspekten des Faches Radioonkologie / Strahlentherapie

Lehrinhalt

Physikalische Grundlagen

Entstehung und Eigenschaften ionisierender Strahlen, Elektromagnetische und Teilchenstrahlung, Energiebereiche, Radionuklide, Arten und Energiebereiche der in der Strahlentherapie wichtigen umschlossenen Radionuklide.Bedeutung der physikalischen Halbwertszeiten. Wechselwirkung ionisierender Strahlung mit Materie, Primär- und Sekundärprozesse, Photoeffekt, Comptoneffekt, Paarbildung, Anregung, Ionisation, Entstehung von Bremsstrahlen, Radikalbildung, Folgeeffekte, Schwächung, Absorption, Reichweite, Halbwertsschichtdicke, Messung ionisierender Strahlen: Nachweismethoden in der Medizin, Messung der Dosis, Terminologie Dosimetrische Aspekte, StrahlenschutzGrundlagen der Medizinischen und physikalischen Bestrahlungsplanung bei externen Strahlentherapie,Eigenschaften und Qualität von Bestrahlungsgeräten (Linearbeschleuniger, Brachytherapiegeräte). Dosisverteilung, Bestrahlungspläne.

Biologische Grundlagen

Grundkenntnisse strahlenbiologischer Phänomene Relative biologische Wirksamkeit
Abhängigkeit der biologischen Wirkung ionisierender Strahlen von der Strahlenqualität (Strahlenart und Energie); Definition der relativen biologischen Wirksamkeit (RBW) ionisierender Strahlen, Zeitliche Dosisverteilung, Einfluß der zeitlichen Dosisverteilung auf die biologische Strahlenwirkung bei Bestrahlung von lebenden Zellen und Organismen; Erholungsphänomene; fraktionierte Bestrahlung, „5 R der Strahlenbiologie", Räumliche Dosisverteilung, Abhängigkeit der Strahlenwirkung vom bestrahlten Organ/Gewebe und Volumen, Zeitliche Entwicklung biologischer Strahlenwirkung
Direkte und indirekte Strahlenwirkung, Reaktionsketten, frühe und späte Strahlenreaktionen, Strahlenspätschäden, Zelltod und strahleniduzierter Tod von Lebewesen,Biochemische, zytogenetische und zelluläre Antwort auf Bestrahlung, biologische Grundlagen der Strahlentherapie, Strahlenempflindlichkeit, Strahlenschäden ,Makromoleküle: Strahlenempfindlichkeit der DNA-, RNA- und Proteinsynthese, Strahlenschäden und ihre Reparatur, Chromosomen: Chromosomen-Aberrationen (Typen, Abhängigkeit vom Zellzyklus); Mikronukleusbildung, Zelle: Strahlenempflindliche Bereiche der Zelle, Interpretation von Dosis-Effekt-Kurven (Endpunkt: Letalität), Abhängigkeit der Strahlenempfindlichkeit von der Zellzyklusphase und der Sauerstoffkonzentraion, morphologische Veränderungen, Mitoseverzögerung, Interphasetod, Reproduktivtod, Zellabbau (autolytische Prozesse, Phagozytose), intrazelluläre Erholungsphänomene, Erholung vom subletalen bzw. potentiell letalen Schaden), Repopulierung, Strahlenempflindlichkeit spezieller Gewebe und Organe ,Hämatopoetisches, gastrointestinales und zentralnervöses, Strahlensyndrom, strahleninduzierte Spätwirkungen beim Menschen / stochastische, deterministische Effekte
Degenerative Veränderungen, Hypoplasie, Gefäßwandveränderungen, Fibrosen, Kataraktbildung, Beschleunigung von Altersprozessen, Induktion maligner Neoplasien
Entstehung und Häufigkeit von Leukämien, Entstehung anderer Tumoren (z. B. Hautkarzinom, Schilddrüsenkarzinom); Wirkung kleiner Strahlendosen (auch bei gutartigen Erkrankungen); Problematik der Schwellendosis und der Extrapolation; absolutes und relatives Risikomodell; Begriff der stochastischen Wirkung und der Latenzzeit, Strahlenwirkung auf die pränatale Entwicklung
Keimabtötung vor der Implantation; Induktion von Fehlbildungen in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium des Keimlings/Embryos/Fetus inklusive Wachstumsstörungen und Induktion von Neoplasien, Problem der Schwellendosis, Genetische Strahlenwirkung, Strahlenbedingte Mutationen;Verdopplungsdosis, Mutationen in Körper- und in Keimzellen; Verdopplungsdosis für Mutationen,„genetisch signifikante Dosis".

Technische und Methodische Grundlagen der Strahlentherapie bösartiger Tumoren und gutartiger Erkrankungen

Bestrahlungsgeräte, Strahlenarten und Strahlenqualitäten
Photonen-, Teilchenstrahlung; Megavolttherapie: Teilchenbeschleuniger, Telecurietherapie; Orthovolttherapie; Behandlung mit umschlossenen radioaktiven Strahlen; Kontakttherapie; Applikatoren, Afterloading-Verfahren, interstitielle/endoluminale Brachytherapie; Intraoperative Radiotherapie; Stereotaktische Strahlentherapie

Bestrahlungsplanung
Methoden der Tumorlokalisation (Therapie-Simulator, Computertomographie, Ultraschall, Kernspintomographie)Begriffe: Tumorvolumen, Zielvolumen; Risikoorgane,Räumliche Dosisverteilung, Dosisplanung: Zielvolumendosis, Isodosen, Bestrahlungsplan und -dokumentation; Bestrahlungsrechner, Einzelfeld-, Gegen- und Mehrfeldtechniken, Bewegungsbestrahlung und spezielle Bestrahlungstechniken, 3-D-Planung, Dynamic treatment; Nicht-koplanare Techniken; Feldbeeinflussung (Kopensatoren, Satelliten, Keilfilter, Moulagen, Multileaf-Kollimator); Lagerungshilfen, Masken, Felddokumentation und - kontrolle (Verifikation, Megavoltimaging)

Klinische Strahlentherapie und Radioonkologie

Radioonkologie maligner Tumoren
Richtlinien zur radioonkologischen Behandlung: multidisziplinäre Indikationsstellung, Erstellung eines Behandlungsplanes, Behandlungsbegleitung, Nachsorge, klinisches Krebsregister.

Therapieziele der Radioonkologie,
kurative und palliative Behandlung, adjuvante Bestrahlung, primäre, prä-, intra- und postoperative Strahlentherapie, Radiochemotherapie, Kombination mit hormoneller Therapie, Hyperthermie, Strahlensensibilisierende Substanzen Tumordosis: verordnete Strahlendosis (Gesamtdosis, Einzeldosis, Fraktionierung) als Funktion der Tumorgröße, Histologie, Sauerstoffversorgung, Lokalisation

Perkutane kurative Strahlentherapie
Indikationen, akute Nebenwirkungen an gesunden Geweben, Spätfolgen; spezielle Radioonkologie;
Grundlagen der Strahlenbehandlung von primären und sekundären Hirntumoren, Tumoren der Orbita, des Gesichtsschädels und Halses, maligne primäre und sekundäre Lymphome sowie hämatopoetische Erkrankungen, Bronchialkazinom, Mammakarznim, Ösophaguskarzinom, Tumoren der Bauchhöle, urogenitale Malignome, Rektum- und Analkarzniom, Malignome der Haut, Weichteilsarkome, pädiatrische Tumoren.

Palliative Strahlentherapie
Indikationen, Notfälle (z. B. akutes Querschnittssyndrom, obere Einflußstauung); Schmerzbehandlung von Knochen- und Weichteilmetastasen, Indikation bei Statikgefährdung

Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen
Indikationen: entzündungs- und Reizbestrahlung, vaskuläre Strahlentherapie

Anwendung umschlossener Strahler
Wichtige Anwendungen der intrakavitären und interstitiellen Bestrahlung, Spickung; Kombination mit Perkutanbestrahlung: gynäkologische Karzinome, Tumoren des Gesichtsschädels, endobronchiale Bestrahlung, endoluminäre Strahlentherapie des Ösophagus-, Gallenwegs- und Rektumkarzinoms

Blockpraktikum- Unterricht am Krankenbett

Im Rahmen der studentischen Pflichtveranstaltung des vorklinischen Praktikums im 4. Semester erfolgt praktischer Unterricht am Krankenbett. Im Mittelpunkt steht die praktische Anwendung des vermittelten Wissens innerhalb des Kursus Strahlentherapie im 5. Semester (1. klinisches Semester) sowie den Vorlesungen im 6. und 9. Semester.
Ziel der Lehrveranstaltung ist es, das erworbene Wissen fallorientiert anzuwenden und im Dialog mit dem Tutor am Krankenbett die Diagnose zu stellen, gemeinsame Behandlungskonzepte zu entwickeln, die Therapieerfolge sowie Nebenwirkungen zu diskutieren.
Durch die praktische Anwendung gelernten Wissens wird didaktisch eine bessere Nachhaltigkeit erwartet. Der Unterricht erfolgt in Kleingruppen. Das Lernkonzept wird maßgeblich durch Interaktionen zwischen Tutor, Studierendem und Patienten erreicht. Der Schwerpunkt wird auf das Erlernen genereller radioonkologischer Vorgehensweisen gerichtet, die den Weg von der Diagnose bzw. Differentialdiagnose über die Anwendung diagnostischer Maßnahmen unter Einschluss der körperlichen Untersuchung bis zur Entwicklung von radioonkologischen Konzepten reichen.
Weitere Informationen finden sie auch unter Berufsbild Radioonkologie.

Lernunterlagen

Bamberg M, Molls M, Sack H (Eds.) Radio-Onkologie. Lehrbuch Band I und II, Zuckschwerdt Verlag München 2003, 2004, 2009
DeVita, V., S. Hellman, S.A. Rosenberg: Cancer - Principles & Practice of Oncology, 6th Edition, Lippincott Williams & Wilkins 2001

 
Letzte Änderung: 15.04.2015, 11:53 Uhr | Redakteur: ww
Zurück zum Seitenanfang springen
Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie