Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Aderhautmelanom - Ärzteinformation

Das Aderhautmelanom (Synonym malignes uveales Melanom) gehört zu den häufigsten primären Tumoren des Auges. Die Tumoren sind selten und treten pro Jahr bei einem von 100.000 Personen auf. Das Aderhautmelanom entsteht aus entarteten Melanozyten, die in der Aderhaut gelegen sind. Aus diesem Grunde liegt häufig eine dunkle Pigmentierung vor. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Der Gipfel liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr.
Behandlung des Aderhautmelanom
Brachytherapie
Protonentherapie
Hochpräzisionstherapie mit Photonen
Durchführung der sereotaktischen Behandlung des Aderhautmelanom
Anschauungsmaterial zur Behandlung des Aderhautmelanom
Ansprechpartner

Bei fortgeschrittener Erkrankung kann es zu Fernmetastasierungen, vorwiegend in der Leber kommen. Im Gegensatz zum malignen Melanom der Haut erfolgt die Metastasierung vorwiegend hämatogen, da die Choroidea nicht über Lymphgefäße verfügt. Das Risiko für die Bildung von Fernmetastasen wird von der Größe und der Lokalisation im Auge geprägt. Eine Ziliarkörperbeteiligung ist mit einem erhöhten Metastasierungsrisiko verbunden.
Wird der Tumor rechtzeitig erkannt, besteht nur ein geringes Metastasierungsrisiko, so dass die Beherrschung des lokalen Tumorwachstums in einem hohen Maße zur Heilung führt. Allgemeine Diagnose- und Therapiestrategien
Durch eine flächendeckende, gute augenärztliche Betreuung in Deutschland werden Aderhautmelanome häufig bei augenärztlichen Routineuntersuchungen entdeckt. Durch die Pigmentierung des Tumors sowie das Ausbreitungsverhalten ist die Diagnose leicht, ohne dass eine histologische Sicherung zwangsläufig erfolgen muss. Bei fortgeschrittenerem Wachstum oder aber bei Wachstum an der Stelle des schärfsten Sehens kommt es zu deutlichen Veränderungen in der Sehleistung des betroffenen Auges, die den Patienten zum Augenarzt führen. Die Echographie und Fluoreszenzangiographie gehören zur nicht invasiven Diagnostik des Aderhautmelanoms. In frühen Stadien wird am hiesigen Universitätsklinikum eine Strahlenbehandlung durch Ruthenium 106 durchgeführt. Tumoren bis zu einer Höhe von 7 mm sind üblicherweise dieser Behandlung zugänglich. Bei größeren Tumoren wird in den meisten Fällen eine Enukleation durchgeführt. In der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie wird in enger Zusammenarbeit mit der Augenklinik zum Erhalt des Auges in diesen Situationen eine stereotaktische, hypofraktionierte Strahlenbehandlung durchgeführt, die in einem hohen Maße dazu in der Lage ist, den Tumor zu kontrollieren bei gleichzeitigem Erhalt des Auges.

Behandlung des Aderhautmelanom

Das Leipziger Universitätsklinikum ist ein traditioneller Standort für die Behandlung maligner Augentumoren. Die Behandlungen erfolgen in enger Zusammenarbeit zwischen der Augenklinik und der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie.Die ersten Behandlungen, die darauf ausgerichtet waren, Auge und Sehvermögen zu erhalten, begannen in den 70er Jahren. Aus radioonkologischer Sicht steht der Erhalt des Auges und des Visus im Vordergrund. Technisch werden derzeit folgende radioonkologischen Therapieverfahren angewandt:

Brachytherapie Behandlung erfolgt in der Augenklinik des Universitätsklinikums Leipzig
Schwerionentherapie Protonen - in ausgewählten Fällen erfolgt die Therapie in Villigen / Schweiz
Stereotaktische Hochpräzisionstherapie mit Photonen Behandlung erfolgt in der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Universitätsklinikum Leipzig

Brachytherapie beim Aderhautmelanom

Bei kleineren Tumoren wird der Brachytherapie mit Ruthenium-Applikator der Vorzug gegeben. Die Brachytherapie mit Ruthenium oder Jod-125 erreichte in einer randomisierten Studie der Collaborative Ocular Melanoma Study Group, in der 660 Patienten in den Arm Enukleation und 657 in den Arm Brachytherapie randomisiert wurden, ein sehr günstiges Therapieergebnis nach Brachytherapie. Die 5-Jahre-Überlebensraten lagen bei 81 bzw. 82 % (Diener-West et al., 2001).
In einem Update, das Nachbeobachtungszeiträume von über 15 Jahren betrachtet, stieg zwar die Mortalitätsrate, ohne dass jedoch ein Unterschied zwischen Brachytherapie und Enukleation nachgewiesen werden konnte.
Vor diesem Hintergrund und den guten Ergebnissen (nur 43 % der Patienten erlitten eine Verschlechterung des Visus) wird derzeit der Brachytherapie gegenüber der Enukleation der Vorzug gegeben (Margo et al., 2004).

Protonentherapie des Aderhautmelanom

Die Protonentherapie bei Uveamelanomen wird in Berlin und in Villigen/ Schweiz angeboten. Inzwischen verfügen die Einrichtungen über Erfahrungen an mehreren hundert Patienten. In diese Behandlung werden jedoch deutlich kleinere Tumoren eingeschlossen. Die Tumorkontrolle liegt wie bei der hypofraktionierten stereotaktischen Hochpräzisionstherapie bei über 90 % (95,5 % in der Berliner Arbeitsgruppe bei einer Erhaltungsrate des Auges in 87,5 % der Fälle nach 3 Jahren). Das PSI berichtet über 2645 Patienten und das MGH in Amerika über 2062 Patienten mit einer Tumorkontrollrate von 95,8 bzw. 97,6 % und einer Augenerhaltungsrate nach 5 Jahren bei 88,9 bzw. 93,1 % der Patienten.

Hypofraktionierte stereotraktische Hochpräzisionsbestrahlung mit Photonen

Die Therapie wird in der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Universitätsklinikum Leipzig angeboten und bezieht sich auf Erfahrungen, die in den Zentren in Wien und Rotterdam gemacht wurden.
Die Arbeitsgruppe von Müller et al., 2005, berichtet über 23 Patienten, die in einem prospektiven Behandlungsprotokoll behandelt wurden. Es wurden 50 Gy an 5 aufeinander folgenden Tagen mit einer stereotaktischen Hochpräzisionstechnik appliziert. Die Augenfixierung erfolgt nicht-invasiv mit einem Kamera-Überwachungssystem. Die lokale Tumorkontrolle lag nach 3 Monaten bei 100 %, bei 15 Patienten, die über einen Zeitraum von mehr als 24 Monaten nachbeobachtet wurden, konnte keine Progredienz festgestellt werden.
Die Nebenwirkungen nach 3 Monaten lagen bei einer kontinuierlichen Abnahme des Sehvermögens von 0,21 zum Zeitpunkt der Diagnose auf 0,06 zwei Jahre nach Therapie. Die akuten Nebenwirkungen konzentrierten sich auf eine konjunktivale Reizung, die bei 10 Patienten auftrat, ein Verlust der Wimpern bei 6 Patienten, Sehstörungen bei 5 Patienten, ein dauerhafter konjunktivaler Reizzustand im Sinne eines Dry-eye bei nur einem Patienten und einem Katarakt bei einem Patienten. Bei einem Patienten musste eine Enukleation nach 3 Monaten erfolgen. In der Wiener Arbeitsgruppe wurden 90 Patienten zwischen 1996 und 1999 behandelt. Es wurde eine Gesamtdosis von 60 bis 70 Gy in 5 Fraktionen innerhalb von 10 Jahren appliziert. Eine nichtinvasive Augenfixierung wurde ebenfalls über ein Kamerasystem erreicht. Bei einer medianen Nachbeobachtung von 20 Monaten konnte eine lokale Tumorkontrolle bei 88 Patienten (98 %) erreicht werden. Die mittlere relative Volumenreduktion des Tumors lag bei 24, 27 und 37 % nach 12, 24 und 36 Monaten. Drei Patienten (3,3 %) entwickelten Fernmetastasen. Eine sekundäre Ennukleation wurde bei 7 Patienten notwendig (7,7 %). Langzeitspätfolgen in Form einer Retinopathie traten bei 25,5 % auf, ein Katarakt bei 18,9 % und eine Optikusneuropathie bei 20 % sowie ein sekundäres neovaskuläres Glaukom in 8,8 % der Fälle.
Eine Gesamtdosis von 60 Gy in 5 Fraktionen wurde als optimales Behandlungskonzept eingestuft.

Nach eigenen Erfahrungen konnten die Ergebnisse bei noch relativ kurzer Nachbeobachtungszeit bisher bestätigt werden.
Inzwischen wurden in unserer Klinik insgesamt 25 Patienten behandelt. Dabei wurden 18 Patienten mit einem Dosiskonzept von 5 x 12 Gy bezogen auf die tumorumschließende Isodose ( 3 x wöchentlich) bis zu einer Gesamtdosis von 60 Gy und 7 Patienten aufgrund der Tumorgröße mit 12 x 5 Gy ( 5 x wöchentlich) bis zu einer Gesamtdosis von 60 Gy mit guter Verträglichkeit bestrahlt.Hinsichtlich des sehr zufriedenstellenden Nebenwirkungsprofiles in der hypofraktionierten stereotaktischen Hochpräzisionstherapie unter identischen Tumorkontroll- und Augenerhaltungsraten bietet sich die stereotaktische hypofraktionierte Behandlung als sehr gute Therapie, vor allem für größere Tumoren an.

Durchführung der stereotaktischen Behandlung beim Aderhautmelanom

Für die Bestrahlungsplanung werden eine Kernspintomographie und eine Computertomographie durchgeführt. Die Anfertigung einer Kernspintomographie ist notwendig, da nur mit diesem Verfahren die Lokalisation des Tumors und dessen Ausdehnung klar bestimmt werden können. Beide Datensätze werden mit einem modernen Bestrahlungsplanungssystem fusioniert.
Mit Hilfe des Datensatzes der Computertomographie wird schließlich ein computergestützter Bestrahlungsplan erstellt. Es werden individuell angepasst statische Felder berechnet, die das Zielgebiet exakt erfassen. Im Mittelpunkt stehen die Schonung der Uvea,, der Tränendrüsen sowie der Cornea.
Zur Fixierung des Bulbus wird eine kleine Leuchtdiode auf der rigiden Maske des Stereotaxiesystems befestigt. Der Patient muss diese kleine Lichtquelle fixieren. Mit Hilfe eines videogestützten Systems wird die Stellung des Augapfels während der Strahlenbehandlung kontrolliert. Diese Vorgehensweisen erlauben eine nahezu starre Fixierung des Augapfels, ohne dass belastende mechanische Hilfsmittel zur Anwendung kommen.
Sollte es zu unwillkürlichen Bewegungen kommen, kann hierdurch automatisch die Bestrahlung unterbrochen werden, um eine unnötige Bestrahlung gesunden Gewebes zu verhindern.

Anschauungsmaterial zur Behandlung des Aderhautmelanom

Plus Symbol Technik der Bestrahlung beim Aderhautmelanom, Positionierung, Fixation unter Verwendung von Maskenmaterial, Lichtquelle und Kameraüberwachung. (nach Dieckmann et al.)
   
  Plus Symbol CT- und MRT Bestrahlungsplanungsuntersuchungen mit Stereotaxiemaske
   
Plus Symbol Stereotaktische Bestrahlungsplanung beim Aderhautmelanom unter Verwendung von MRT und CT Bilddatensätzen.
   
Plus Symbol  
   
Plus Symbol Plus Symbol
   
Plus Symbol Technische Anordnung der Fixationsmaske und Kameraüberwachung am Bestrahlungsgerät
   
 
   
Plus Symbol Bestrahlungsbehandlung des Patienten mit Aderhautmelanom am Linearbeschleuniger
 
   
Plus Symbol Patientenüberwachung zum Zweck der Qualitätssicherung während der Bestrahlungsbehandlung des Patienten mit Aderhautmelanom
   
Plus Symbol  

Ansprechpartner in unserer Klinik:

Sprechzimmer 1 (OÄ Dr. med. K.Papsdorf und Frau Schirm):
Sprechzeiten: für Patienten nach telefonischer Vereinbarung täglich ab 8:00Uhr
(Frau Höber, Telefon: 0341 / 97-18471

 
Letzte Änderung: 15.04.2015, 14:16 Uhr | Redakteur: ww
Zurück zum Seitenanfang springen
Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie