Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
 Universitätsmedizin Leipzig

Tumoren im Kindesalter

Die Tumoren im Kindesalter sind selten. Generell erfolgt die Therapie anhand der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (= GPOH) und wird in der überwiegenden Mehrheit in Form von Therapieoptimierungsstudien durchgeführt.

Wir bieten folgende Therapieformen:

Die Behandlungskonzepte werden in unserer Klinik ständig aktualisiert und dem neuesten wissenschaftlichen Kenntnisstand angepasst. Wir verfügen über eine Spezialsprechstunde in enger Zusammenarbeit mit der Kinderklinik. Über die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Radioonkologie stehen wir in einem Kontakt mit den einzelnen Studienzentralen, um das bestmögliche Radiotherapiekonzept anzuwenden. Die Klinik ist Mitglied des HIT-Netzwerkes in Form einer Studienzentrale und Referenzzentrum für Hirntumoren im Kindesalter.

Obwohl die Erkrankung selten ist und im Kindesalter zahlreiche unterschiedliche Tumoren vorkommen, ist es der GPOH gelungen, ca. 90% aller Tumorerkrankungen innerhalb der prospektiven Behandlungsprotokolle zu therapieren. Hierbei ist die GPOH weltweit führend und konnte in den letzten Jahren eine weltweit anerkannte, herausragende Expertise bei der Behandlung von bösartigen Tumoren im Kindesalter erreichen.

Obwohl häufig aggressiv wachsende Tumoren vorliegen, gelingt es mit den inzwischen entwickelten, neuen Therapiekonzepten häufig eine Heilung zu erreichen. Die Heilung wird durch eine ständig verbesserte Kombination von Chemotherapie, Operation und Strahlentherapie erreicht. Aus radiotherapeutischer Sicht muss daher die Strahlentherapie immer im Zusammenhang mit der Chemotherapie und Operation gesehen werden (= multidisziplinäre Therapie).

Strahlentherapie
Organisatorischer Ablauf
Was muss bei der Strahlenbehandlung beachtet werden?
Für unsere kleinen Patienten
Spezialsprechstunde Prof. Dr. R.-D. Kortmann

Strahlentherapie

Im Mittelpunkt der Strahlentherapie steht die gezielte Behandlung mit speziell ausgewählten Bestrahlungskonzepten, die die Strahlenempfindlichkeit sowohl des Tumors als auch des Normalgewebes berücksichtigt. Der Einsatz moderner Technologien ist dazu in der Lage, die Strahlung gezielt einzusetzen, vor allem dann, wenn bei umschriebenen Tumorformen eine lokale Bestrahlung notwendig wird. Da der wachsende Organismus im Kindesalter gegenüber Strahlung besonders empfindlich ist, wird bei der Umsetzung der Bestrahlung besonders auf die Schonung von Normalgewebe bzw. eine Schonung der gesunden Organe geachtet.

Generell erfolgen die Behandlungen in einer engen Zusammenarbeit mit der Kinderklinik und der Kinderklinik für Hämatologie und Onkologie.

Organisatorischer Ablauf

Beim Vorstellungsgespräch in der Klinik für Radioonkologie sollen nach Möglichkeit beide Elternteile anwesend sein. Während dieses Termins erfolgt ein ausführliches Aufklärungsgespräch über die Möglichkeiten und Grenzen der Strahlentherapie. Zu diesem Termin müssen alle relevanten Befunde und Bildgebung vorliegen. Die Strahlenbehandlung wird bei jedem Kind individuell angepasst, so dass die Vorlage aller bestehenden Informationen bzw. Unterlagen notwendig ist.

Hierzu gehört in der Regel:

  • Operationsbericht,
  • Bericht der feingeweblichen Untersuchung,
  • Befunde der bildgebenden Verfahren,
  • Arztbrief, dem die bisherigen Behandlungsmaßnahmen entnommen werden können,
  • die Dokumentation der Studienteilnahme,
  • aktuelle Laborwerte,
  • gegebenenfalls Stellungnahmen von Studienzentralen.

Generell sind in den Protokollen der GPOH strahlentherapeutische Standards enthalten, an denen sich die vorgesehene Strahlenbehandlung ausrichtet. In Einzelfällen kann es notwendig sein, dass eine Rücksprache mit den strahlentherapeutischen Referenten notwendig wird, um zu einer optimal angepassten Radiotherapie zu gelangen.

Was muss bei der Strahlenbehandlung beachtet werden?

Nebenwirkungen in der Bestrahlung

In der Radioonkologie wird zwischen den Nebenwirkungen, die während der Bestrahlung auftreten (= akute Nebenwirkungen) und Nebenwirkungen unterschieden, die erst nach Abschluss der Therapie Monate bis Jahre auftreten können (= Spätfolgen). Die akuten Nebenwirkungen bilden sich nach Abschluss der Therapie vollständig zurück. Spätfolgen demgegenüber sind bleibend.

Die Spätfolgenprofile können sehr unterschiedlich sein und orientieren sich vorwiegend am Alter des Kindes, an der strahlentherapeutisch behandelten Region, der zusätzlichen Chemotherapie und der erfolgten Operationen. Generell kann gesagt werden, dass das Risiko für Therapiefolgen bei jüngeren Kindern am höchsten ist. Die Spätfolgen konzentrieren sich im wesentlichen auf eine Behinderung des Wachstums der Organe, vor allem Skelett- und Muskulatur. Die Einzelheiten wird der verantwortliche Radioonkologe mit den Eltern ausführlich besprechen. Das genaue Ausmaß des Spätfolgenrisikos ist aufgrund der Seltenheit der Erkrankungen und unterschiedlichster Behandlungen bisher unbekannt. Die Arbeitsgemeinschaft „Pädiatrische Radioonkologie der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie" hat ein spezielles Programm in Zusammenarbeit mit der GPOH entwickelt, um das Risiko für Therapiefolgen näher zu untersuchen. Hierfür werden die strahlentherapeutischen Dosierungen dokumentiert und der Studienzentrale in Münster zur Verfügung gestellt (RISK-Studie). Nähere Details sind bei dem behandelnden Radioonkologen zu erfragen.

Ablauf der Strahlenbehandlung

Die Durchführung der Strahlentherapie erfolgt unter Einsatz der modernsten Technologien, die im wesentlichen auf der computergestützten Bestrahlungsplanung beruhen. Hierbei wird ein dreidimensionaler Therapieplan entwickelt, um eine möglichst gleichmäßige Dosisverteilung im Zielgebiet der Tumorregion zu erreichen.

Es erfolgt zunächst zur genauen Erfassung des Zielgebiets eine Computertomographie der zu behandelnden Region. Die Bilder werden bereits in Bestrahlungsposition angefertigt. Zur exakten Planung und Durchführung der Bestrahlung erfolgt eine spezielle Lagerung. Mit Hilfe eines dreidimensionalen Lasersystems wird bereits zu diesem Zeitpunkt die genaue Position der Therapiefelder festgelegt. Mit dem gewonnenen Datensatz wird das genaue Zielgebiet von Ärzten bestimmt. Anschließend wird von medizinischen Physikern ein dreidimensionaler Bestrahlungsplan berechnet, der mit dem Therapiesimulator übertragen wird (Computertomographie, Übertragung des CT-Plans). Hierbei werden Markierungen angebracht, die eine exakte Einstellung der Therapiefelder erlauben. Diese Markierungen dürfen daher nicht entfernt werden.

Die üblichen Lagerungshilfen (Gesichtsmasken, Vakuumkissen) werden im Rahmen des Aufklärungsgesprächs ausführlich mit den Eltern und auch den Kindern besprochen. Vor allem bei Kleinkindern (unterhalb des 4. Lebensjahres) sind nicht selten zusätzliche Maßnahmen zur Beruhigung erforderlich, die im Einzelnen mit dem betreuenden Kinderarzt abgesprochen werden.
In der Regel werden die Hilfsmittel sowie die Behandlungsräume dem Kind gezeigt, im Einzelfall wird entsprechendes Material, z. B. Gesichtsmasken ausgehändigt, damit sich die Kinder spielerisch an den Ablauf der Strahlentherapie gewöhnen.

Notwendige Dosis

Die notwendige Dosierung orientiert sich vor allem an den Erkrankungstyp bzw. dem Gewebstyp der Tumorerkrankung, dem Ausmaß der Tumorlast, operativen Eingriffen und den entsprechenden Chemotherapieprotokollen. Insgesamt wurden in den Protokollen der GPOH spezielle Bestrahlungskonzepte entwickelt, die einer kontinuierlichen Anpassung und Optimierung unterliegen. Die Einzelheiten der notwendigen Dosis bzw. Dosisverschreibung wird der betreuende Radioonkologe mit den Eltern besprechen.

Kurz gefasst ergibt sich folgender Ablauf

  1. Anfertigung eines Bestrahlungsplanungs-CT's
  2. Definition der Zielvolumina und Risikoorganen auf jedem CT-Schnitt für die Bestrahlungsplanung.
  3. Bestrahlungsplanung und dreidimensionale Berechnung auf Grundlage der CT-Daten. Hierdurch wird eine sehr präzise Darstellung und Berechnung der Dosisverteilung im Körper bzw. Zielgebiet erreicht. Hierbei werden Sicherheitssäume eingehalten, etwaige Lagevaribilitäten von Organen berücksichtigen. Während der Bestrahlung erfolgen in regelmäßigen Abständen Feldkontrollen durch Anfertigung von Röntgenbildern mit dem therapeutischen Strahl. Nach unseren Erfahrungen kann die Prostataregion mit einer Präzision von 3 - 5 mm erreicht werden.
  4. Dosierung der Radiotherapie

Für unsere kleinen Patienten

Was ist Bestrahlung

Strahlen sieht man nicht, hört man nicht, ähnlich wie die Strahlen, die die Nachrichten für ein Handy übermitteln. Dennoch sind sie sehr wirksam und können mit speziellen modernen Geräten in die Gebiete geführt werden, in denen Sie wirken sollen. Sie bestehen aus Röntgenstrahlen und sind dazu in der Lage, die bösartigen Zellen zu beseitigen. Die Strahlung kann allerdings nicht nur einmal gegeben werden, sondern muss in kleine Portionen aufgeteilt werden, damit sie besser vertragen wird. Die gesunden Zellen im Körper können kleine Bestrahlungsdosen vertragen, Tumorzellen jedoch nicht.

Was passiert, bevor die Bestrahlung losgeht

Die Durchführung der Bestrahlung muss erst genau besprochen werden. Hierzu erhältst Du mit Deinen Eltern einen Termin, um die genauen Vorgehensweisen zu besprechen. Sollten Fragen bestehen, können die hier gestellt werden. Nach dem Gespräch wird dann gezeigt, wo die Bestrahlung stattfindet. Bevor eine Strahlenbehandlung durchgeführt wird, ist eine genaue Planung notwendig. Davor wird erst eine Computertomographie angefertigt, die bei Dir sicher schon aus anderen Gründen durchgeführt wurde. Dabei werden jedoch keine Spritzen oder sonstige Dinge verwandt, die Dir weh tun könnten. Wichtig ist jedoch, dass Du während der Computertomographie bequem und gut liegst.
Bei der einen oder anderen Strahlenbehandlung ist die Anfertigung einer Maske notwendig. Die Maske besteht aus Kunststoff. Während des Gesprächs kann Dir diese Maske bereits gezeigt werden.

Es wird dann ein Bestrahlungsplan berechnet, der dann mit einem anderen Gerät übertragen und eingezeichnet wird. Hierzu werden Buntstifte verwandt. Die Zeichnung auf der Haut darf nicht entfernt werden.
Bevor die eigentliche Bestrahlung beginnt, muss zunächst ausprobiert werden, ob Du auch gut liegen kannst. Wichtig ist nämlich, dass Du Dich während der Bestrahlung, die nur wenige Minuten dauert, nicht bewegst.

Wenn Du am Kopf bestrahlt wirst, helfen wir Dir dabei ruhig zu liegen, indem wir eine Maske aus Plastik anpassen. Dafür wird zunächst ein dünner Baumwollstrumpf über den Kopf gezogen. Anschließend wird das dünne, etwas warme Plastikmaterial, das aussieht wie ein Netz, aufgelegt. Dabei braucht man keine Angst zu haben, da man durch das Netz gut Luft bekommt. Diese Maske gehört dann Dir. Du musst sie jeden Tag bei der Bestrahlung tragen.

Wird nicht am Kopf bestrahlt sondern an anderen Stellen des Körpers, verwenden wir eine Art Luftmatratze zur Lagerung, die mit kleinen Plastikkügelchen gefüllt ist.

Durchführung der Bestrahlung

Während der Bestrahlung, die in der Regel nur ein paar Minuten dauert, musst Du ruhig liegen bleiben. Über eine Fernsehkamera können Deine Eltern und wir Dich die ganze Zeit sehen und hören. Wenn Du möchtest, kannst Du im Bestrahlungsraum Musik hören oder Deine Eltern können Dir über das Mikrofon etwas vorlesen.

Wenn die Bestrahlung fertig ist kannst Du wieder aufstehen und gehen. Am nächsten Morgen kommst Du zu der Zeit wieder, die man mit Dir vereinbart.
Während der Bestrahlungszeit, die üblicherweise ein paar Wochen dauert, kannst Du immer Fragen stellen, wenn Dir irgend etwas auffällt oder Du Probleme hast.

Wenn die Behandlung schließlich zu Ende ist, wirst Du Dich mit Deinen Eltern regelmäßig bei uns vorstellen, damit wir auch wissen, dass es Dir gut geht.

Spezialsprechstunde Prof. Dr. R.-D. Kortmann
Sprechzeiten: nach telefonischer Vereinbarung (unter Telefon-Nr. 0341 / 97-18400)

 
Letzte Änderung: 14.04.2015, 10:14 Uhr
Zurück zum Seitenanfang springen
Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie